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Beitragvon Iliana » Sa 16. Dez 2017, 14:32 #1 »

Normalerweise denkt man als Cardassianer nicht all zu viel darüber nach, was war, sondern beschäftigt sich viel mehr damit, was sein wird.
Die Vergangenheit ist, wie die Gegenwart, stets bei uns. Wir rezitieren sie nicht, wie das Menschen tun, in Träumen und dergleichen, sondern leben mit allem, was aus uns die Vergangenheit gemacht hat, im hier und jetzt. Es ist schwer zu begreifen, schwer zu beschreiben.

Da ich aber eine eigene, kleine Mission habe und da ich gern Erlebtes weitergeben möchte, verfasse ich diese Sammlung aus Erinnerungen, die Bereiche abdecken wird, wie meine Kindheit, meine Erfahrungen an der Sternenflottenakademie und meine erste Zeit als Counselor. Vielleicht werden diese Aufzeichnungen irgendwann jemandem in die Hände fallen, der damit etwas anzufangen weiss. Vielleicht findet sich eine Person in der Crew, die Interesse daran hat und zu der ich das nötige Vertrauen aufgebaut habe, um diese Aufzeichnungen an sie weiter zu reichen.

Wer weiss.


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Sommer 2367 / 730 Jahr der Card. Union, 47. Tag der Wachstums-Saison - Regenzeit

Culat liegt teilweise am Meer und hat in dieser Jahreszeit, dank tropischer Verhältnisse, eine recht regnerische Phase, in der es auch viele Gewitter mit brausendem Donner gibt und starker Wind über die Region jagt.
Zu dieser Zeit geht man ungern nach draussen oder passt genau die Phasen ab, in denen sich das Wetter ein wenig beruhigt hat. Teilweise ist man glücklich über diese Periode, teilweise hasst man sie und wünscht sich gemässigteres, stabileres Wetter. Aber so ist das nun einmal hier, fast das ganze restliche Jahr kein Regen, dafür aber eben immens viel in der Zeit des Wachstums. Früher soll das sogar noch ausgiebiger gewesen sein.
Und genau an solch einem Tag ward ich geboren. Meine Mutter erzählte mir später dann von meiner Geburt und wie glücklich sie gewesen war. Ich war ihr erstes Kind. Sie war alleine im Krankenhaus, denn Vater hatte arbeiten müssen und war weit weg unterwegs gewesen. Er hatte irgendwas in Terrok Nor zu schaffen. Was es war, hatte ich nie wirklich erfahren. Es war immer alles geheim, was er tat.
Meine Mutter hatte für einige Wochen frei von ihrer Arbeit bekommen, sich aber dafür entschieden, dass sie weiter arbeiten wolle, auch wenn der Druck der Familie eher dahin ging, dass sie sich um mich hätte sorgen sollen. Allerdings gehörte Vaters Familie zu einer der älteren und somit konnten wir uns auch jemanden als Amme oder Kindermädchen leisten.
Die Geburt selbst soll gut verlaufen sein, ohne grosse Komplikationen. Meine Mutter hätte gern zur Entspannung den kleinen Garten des Krankenhauses besucht, der immer gut gepflegt worden war, aber dafür war das hier die falsche Jahreszeit.
Ich soll sie mit grossen, wachen Augen angesehen haben und sie taufte mich Iliana, nach ihrer Grosmutter, die auch so weltoffene Augen gehabt haben soll.

Nach ein paar Tagen im Krankenhaus, war meine Mutter entlassen worden und lebte mit mir in Grossvaters grossem Haus. Im Coranum Sektor von Culat war dieses Haus zu finden, ein grosses, recht verziertes Haus, welches zu einem der älteren Bauten der Stadt gehörte. Generell, wie in allen anderen cardassianischen Städten, war der Coranumsektor immer der, in dem die Häuser der alten, herrschenden Familien lagen. Unsere gehörte dazu, auch wenn viel des alten Stolzes nur noch Fassade war oder auf Grund des Namens aufrecht erhalten blieb. Schon zu dieser Zeit hatte meine Familie keine wirkliche Macht mehr, denn die Macht teilten sich das Militär und der obsidianische Orden.

Die Familie meiner Mutter war wohl auch anwesend gewesen, so erzählte man es mir später. Das war eine Ausnahme, denn sie gehörte ehemals zur Arbeiterklasse und für diese Schicht war der Besuch bei den grossen Familien eher eine extreme Besonderheit. Ich kann mir gut vorstellen, dass man mich als kleines, quietschendes Bündel jedem gezeigt hatte, bis auf Vater, der noch immer nicht von seinem Posten weg gedurft hatte. Und es wurde sicherlich gefeiert, denn Familienzuwachs war immer was besonderes. Nur der Staat ist einem Cardassianer heiliger als die Familie, hatte mein Vater immer gesagt.

Nach zwei langen Wochen war er dann endlich nach Hause gekommen und hatte mich zum ersten Mal im Arm halten können. Das ist auch meine erste Erinnerung, die sich in mir eingebrannt hatte. Ich weiss noch, wie gross er wirkte in seiner Uniform, die den ganzen Brustbereich aufrecht stellte und die Schultern, die ohnehin breit waren, noch breiter wirken liessen. Er war ein Hüne von einem Mann, sicher an die zwei Meter gross.
Ich weiss es noch genau, weil ich riesengrosse Angst vor ihm hatte. Dieser fremde Mann, der sich über mich beugte. Doch als er mich sanft in seine Arme nahm und mich hin und her wiegte, war die Angst verflogen.
Meine Mutter erzählte mir, dass ich nahe das Schreiens gewesen war und dann plötzlich anfing zu kichern und zu glucksen. Es muss für sie beide ein schöner Moment gewesen sein.

An weitere Momente dieser frühen Kindheit kann ich mich nicht weiter erinnern. Es gab keine richtigen Schlüsselelemente und meine Mutter erzählte mir auch nicht viel darüber.
Einzig und allein Gerüche und Geräusche sind hängen geblieben. Ich vermute, dass diese Wahrnehmungen wahrscheinlich die sind, die in der ersten Lebenszeit wichtig sind.
Meine Mutter liebte Blumen und so lag immer in meinem Zimmer ein wohlig, süsslicher Duft von Orchideen und anderen Blumen. Ausserdem lauschte mein Grossvater gern melodischen, aber sehr kräftigen Tönen und rezitierte mit einem Freund cardassianische Poesie. Seine beiden Lieblingshobbies.
Ich verstand davon nicht viel, aber die Eindrücke sollten den Rest meines Lebens durchaus prägen...

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Beitragvon Iliana » Sa 16. Dez 2017, 20:35 #2 »

bis 2369 / 732. Jahr der Card. Union

Meine erste Kindheit war wahrscheinlich ähnlich, wie die von Menschenkindern. Die erste Zeit lernt man alle möglichen Sinne zu begreifen und diese mit dem Gesehenen zu verknüpfen. Die Blumen meiner Mutter im Zimmer rochen gut, mein Grossvater war sehr laut und energetisch, mein Vater tendierte eher dazu still und kaum anwesend zu sein und mein Kindermädchen hatte eine liebreizende Stimme und las mir immer gern etwas vor, oder forderte mich in diversen kleinen Denkspielchen. Ich musste dann immer zuordnen, was zu welchem Wort gehören könnte, oder sie verband mir die Augen, liess mich etwas hören, fühlen oder riechen und ich musste dann zeigen, was es war.
Ich hatte diese Art von Spielen sehr gern gemacht.

Ihren Geschichten und der Poesie meines Grossvaters war es zu verdanken, dass mein erstes Wort tatsächlich nicht "Grossvater", "Mutter" oder dergleichen war, sondern "kar-das-ša (Cardassia)". Ich verstand den Sinn hinter dem Wort noch nicht, aber ich hatte es so oft in diversen Erzählungen und Gesprächen gehört, dass es sich förmlich bei mir eingebrannt hatte. Ich denke, vielen anderen Kindern geht dies wohl ähnlich, wenn sie in einem Staat aufwachsen, in dem dieser die erste Stellung hat, wenn man wirklich loyal war.

Bald aber lernte ich, für die Zeit viel wichtigere Worte sprechen und war selbst sehr erpicht darauf, schnell den Wortschatz erweitern zu können, um mich endlich auch bemerkbar machen zu können. Den Wunsch von den Augen ablesen können Mütter und Kindermädchen zwar sehr gut, aber das Ganze ist doch mit einigen Fehlern belastet. So konnte es schon einmal vor kommen, dass man eigentlich sein Geschäft verrichten wollte und bekam stattdessen etwas zu essen. Aber das änderte sich ja nun, da ich endlich solche Worte bilden konnte wie: "Hab Hunger!"

Ich soll zu dieser Zeit wohl recht nervig gewesen sein, weil ich vor allem sehr stur darauf beharrte, eben doch lieber noch ein wenig spielen und somit lernen zu wollen, statt ins Bett zu gehen. Ich fürchte, das Kindermädchen hatte wirklich einen Fulltimejob.

Als ich dann 2 Jahre alt wurde, war für mich die Zeit gekommen, in der ich von meinen Eltern aus für die kommenden Jahre vorbereitet wurde. Meine Mutter als Lehrerin wusste genau, was in der Schule gefordert wurde und nutzte die freie Zeit dafür, mir unter anderem schon einmal Zahlen und Buchstaben näher zu bringen. Sie hatte dafür solche Platten gebastelt, mit denen ich Worte legen konnte. Damit begann sie, als ich auch meine Grobmotorik so langsam verfeinerte und zu laufen begann.
Sie hatte die Dinger überall mit hingenommen. Erst einmal musste ich natürlich die Zeichen passend zur Aussprache lernen. Dank einem photografischen Gedächtnis ist das vielleicht einfacher, als für andere Völker. Wobei einem das natürlich auch nicht bei der direkten Verknüpfung hilft, sondern nur beim Erkennen der Zeichen an sich.

Nicht jedes Kind wird übrigens so erzogen. In einigen Gärten, in denen wir waren, spielten die Kinder mehr, als dass sie lernten und manche konnten noch nicht mal richtig laufen. Aber nicht bei meiner Familie. Das würde schliesslich auch seltsam aussehen, wenn ein Kind einer höheren Familie schlechter entwickelt wäre, als das anderer Eltern.
Der Druck von zu Hause war schon in der Zeit deutlich spürbar. Ich muckte aber selten, denn ich kannte es nicht anders. Man lebte es mir auch nicht anders vor.

Das grösste Geburtstagsgeschenk machte mir mein Vater dann, als ich zwei Jahre alt wurde, hatte er wieder mehr in Cardassia selbst zu tun und nichts mehr auf Terrok Nor. Ich verstand das damals nicht so sehr, jedoch hatte es mit Friedensverhandlungen mit der Föderation zu tun, sodass Cardassia den wichtigen, aber irgendwie auch unlieb gewordenen Posten bei Bajor aufgeben musste. Ich liebte zu der Zeit die Föderation dafür, denn ich konnte endlich meinen Vater besser kennen lernen.

Mein Grossvater, der uns über diese Zeit hinweg sein Haus angeboten hatte, war allerdings enttäuscht und aus mir noch immer nicht ganz stimmigen Gründen, gab es oftmals Streit zwischen ihm und meiner Mutter oder meinem Vater. Ich nehme an, er machte meinen Vater dafür verantwortlich, dass es überhaupt zu solchen Verhandlungen gekommen war, oder weil man diese Station nicht in den Griff bekommen konnte.
Auch hier konnte ich immer nur zuhören und versuchen zu verstehen, doch ohne jegliche Schulbildung war das einfach unmöglich. Politische Themen waren schwerer Tobak.
Meine Mutter weinte oft, wenn Grossvater etwas zu barsch mit ihr war. Den Grund dafür kenne ich allerdings.
Mein Vater aus einer hohen Schicht hat sich mit meine Mutter, aus einer niedriegeren Schicht gegen den Willen meines Grossvaters verbunden. Es hat wohl danach auch jahrelang Streit gegeben, aber als ich kam, hatte sich dies urplötzlich gelegt. Eben der Familie wegen.
Allerdings riss dieser alte, verletzte Stolz meines Grossvaters wieder auf, als Terrok Nor verlassen wurde und Cadassia Schwäche zeigte.
Ich tröstete viele Abende meine Mutter, indem wir uns nur in den Arm nahmen.

Da es nicht mehr länger so weiter gehen konnte, zogen wir in der milden Saison in ein Haus um, welches im benachbarten Sektor lag, dem Sektor, in dem Bürokraten vor allem ihre Häuser hatten. Hier hatte es mein Vater nicht weit zur Arbeit und wir hatten ein Haus für uns, sogar mit einem kleinen Garten.
Die neue Wohngegend war ruhiger, da viele bis Abends arbeiteten und wenig zu Hause waren. Neben unserem Haus wohnte ein Richter und auf der anderen Seite ein Kollege meines Vaters mit seiner Familie. Der Richter war ein recht alter Herr, der aber mit seiner Tochter und ihren Kindern im Haus wohnte. Sein Sohn war auf Bajor vom Widerstand getötet worden und die Familie war ihm Gott sei Dank nicht gefolgt, sondern auf Cardassia geblieben. Ich spielte hin und wieder mit ihnen, denn sie waren fünf und drei Jahre alt.
Der Kollege von Vater lud sich hin und wieder selbst ein und brachte eine Flasche Kanar oder etwas in der Art mit. Dann unterhielten sie sich bis spät in die Nacht über alle möglichen Dinge und scherzten. Ich mochte ihn, denn er brachte auch immer etwas für mich mit vorbei.

Ich erfuhr später, dass er und mein Vater oftmals reisten, wenn es notwendig war und dann auch oft zusammen Aufträge hatten. Zwischen ihnen hatte sich eine Freundschaft gebildet und von diesem Freund war auch der Hinweis gekommen, dass dieses Haus wohl leer stünde und wir es beziehen konnten. Tarkan Nol hiess er.

Das Haus hatte ich übrigens schnell für mich erobert. Sobald das Laufen besser klappte, war nichts mehr sicher vor mir, auch nicht meine Eltern, wenn sie schlafen wollten. Ich lernte das Haus lieben, auch, weil mein Grossvater nun - zumindest für meine Füsse - viel zu weit fort war, um Traurigkeit hineinzubringen.

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Beitragvon Iliana » So 17. Dez 2017, 01:48 #3 »

2371 / 735. Jahr der Card. Union

In diesem Jahr begannen sich die Ereignisse im Alpha-Quadranten ins Chaos zu wandeln. Es geschahen viele Dinge, die ich hauptsächlich erst später erfuhr, denn in Cardassia herrschte Recht und Ordnung und man konnte sich sicher fühlen. Viele Informationen wurden gar nicht, oder verfälscht, weitergegeben.
Eines war aber klar, die Gründer, irgendwelche bösen Wesen aus einem weit entfernten Quadranten, wollten unseren Teil des Universums einnehmen. Das alles sollte von Bajor aus passieren. Immer dieses Bajor. Es schien schon lange Zentrum vieler Ereignisse zu sein und meist keiner guten. Aber unsere Nation war stark und es gab Bemühungen gegen dieses Aufstreben des sogenannten Dominion. Es wurde sogar ein Friedensvertrag mit Bajor geschlossen, um sich zusammen gegen den Feind zu stellen und eine grosse Flotte machte sich auf dem Weg, um den Gründern Einhalt zu gebieten.

Das alles war weit weg und sollte mich nur am Rande interessieren. Mit vier Jahren war für mich anderes wichtiger.

Ich liebte es mit meinem Vater zu spielen und auch von ihm zu lernen. Er hatte die letzte Zeit relativ wenig zu tun, war mit etwas beschäftigt, was bei uns in Culat statt fand und nicht weiter weg. Wir lebten noch immer in dem Haus und ich lernte neue Vorzüge kennen. Die Aussicht auf die Regierungsgebäude von den oberen Stockwerken aus, war atemberaubend. Der wundervolle rot-gelbe Himmel lies die Dächer oftmals leuchten. Ich sass gern auf der Galerie und beobachtete die Sonne und ihre kleinen Farbspielchen. Ich versuchte das sogar mit Stift und Papier festzuhalten und entwickelte dies zu einem kleinen Hobby. Erst waren die Zeichnungen krakelig und man konnte kaum erkennen, was es darstellen sollte, aber Vater lehrte mich unter anderem, Dinge genauer zu beobachten und auf kleine Details zu achten. Das versuchte ich dann auch fürs Zeichnen umzusetzen.

Wir gingen oft im quirligsten Sektor der Stadt wandern und betrachteten die Leute. Ich sollte mir einen herauspicken und auf Grund seiner Kleidung, seines Handelns herausfinden, was es für ein jemand sein könnte. Erst waren es einfache Dinge. Einen reichen Staatsbeamten konnte man zum Beispiel sehr gut von einem einfachen Gärtner unterscheiden. Aber es wurde nach und nach schwieriger.
Manchmal liefen wir auch nur so umher und ich musste trotzdem aufmerksam sein, weil danach mein Vater mich Dinge fragte, wie die Farbe einer Tür, die Blüte einer Blume, den Geruch, den sie verströmte. Für mich war das ganze ein Spiel, Anfangs, doch ich merkte schnell, dass mein Vater andere Dinge bezweckte. Er hatte ab und an mit seinerm Freund und Arbeitskollegen über Pläne gesprochen, über eine Schule Namens Bamarren, wo er mich mit vielleicht zehn Jahren oder zwölf hinschicken wollte. Und er wollte mich darauf vorbereiten, denn er selbst war wohl auch dort gewesen.

Und das Vorbereiten ging nicht ohne das Lernen von Disziplin. Als die Schwierigkeit anzog und das schon in den ersten paar Wochen, war es kein Spiel mehr, das merkte ich schnell. Vergass ich etwas, gab es Schläge oder andere Strafen. Mein Vater drillte mich in irgendeine Richtung und oftmals hatte ich auch keine Lust dazu. Dann war ich bockig und stur und er gab mir Hausarrest, bei dem ich zusätzlich noch hungern durfte.
Manchmal behielt ich meine Sturheit bei, wenn der Hunger noch nicht all zu gross war und bekam richtige derbe Schläge, doch am Schlimmsten war eigentlich seine Missachtung für mich.
Ich mochte meinen Vater, auch wenn er streng war und ich ihn manchmal auch hasste. Die Liebe für ihn war stärker. Ich wollte mal so werden, wie er und das spornte mich an, half mir auch dabei, meine Faulheit zu besiegen. Doch wenn er mich mit dem missachtenden Blick ansah, als wär ich eine cardassianische Ratte, dann war mein Herz gebrochen und mir tat es abgrundtief leid, dass ich ihn enttäuscht hatte. Das bewegte mich am Ehesten, mich bei ihm zu entschuldigen und sofort nachzuholen, was er von mir verlangt hatte.

Meine Mutter sagte dazu nichts. Entweder war sie es so auch gewohnt, oder hatte zumindest in der Hinsicht Angst, meinem Vater die Meinung zu sagen.

Neben den Aufgaben, die mir mein Vater gab, hatte ich zudem noch einige Lehrer. Während meine Mutter mir Lesen und Schreiben schon beibrachte, gab es noch einen Trainer für die Strategemen, denn die sollte ich schon etwas drauf haben, um mich in der Schule dann nicht zu blamieren. Ausserdem der Kampf mit Klingenwaffen war sehr wichtig. Beides in Kombination war wohl die ultimative Kampftechnik.
Strategemen kann man ein wenig vergleichen mit Karate der Menschen oder Ringen. Es ist aber keine reine Kampfsportart, sondern eine Kombination aus taktischen Überlegungen und komplexen Bewegungsabläufen, die Gesamthaft dazu dienen den Gegner zu Fall zu bringen. Ein sicherer Stand, wache Augen und ein gewisses Gespür für das Vorhersehen der Handlungen seines Gegners waren dafür notwendig.
Ich versagte Anfangs total.
Ich kam täglich mit einer Reihe Knochenbrüchen, Quetschungen und anderen Blessuren nach Hause. Ich war fix und fertig, denn der Lehrmeister und die anderen Schüler verlangten mir einiges ab.

Wenn ich all zu ramponiert nach Hause kam, bekam ich neben einem sehr enttäuschten und sowieso schon schmerzenden Blicks meines Vaters noch eine Ohrfeige oben drauf. Meine Mutter schlich sich Abends dann immer in mein Zimmer und versuchte mich zu trösten. Anfangs war das bitter nötig, aber ich gewöhnte mich daran. Den anderen Kindern ging es dabei nicht anders. Vielen von uns lastete ein hoher Druck an. Wir waren die Zukunft Cardassias.

In der Mitte des Jahres änderte sich noch einmal vieles für mich.

Ein seltsamer Mann kam zu Besuch. Er trug dunkle Kleidung, hatte einen eiskalten, stoischen Blick und lächelte nie. Wenn er sprach, gefrierte mir das Blut in den Adern. Mein Vater schien ihn aber zu kennen und zu erwarten.
Man hatte mich von meinem Zimmer hinab gerufen in unseren grossen Salon. Ich hatte noch vom letzten Training eine Platzwunde an der Schläfe und machte daher nicht den sonderlich perfekten Eindruck. Mein Vater wies mich an, mich zu setzen und ich tat, wie mir befohlen, lies die Augen nicht von dem komischen Mann ab. Ich merkte mir jedes Detail von ihm, was ich in der Zeit erkennen konnte, denn er war mir nicht geheuer.

Als er mich grüsste, zuckte ich leicht zusammen. Solch einen Tonfall hatte ich selbst von meinen strengsten Lehrern nicht gekannt. Woher kommt er und weshalb ist er hier? fragte ich mich.

Ich bin Edain Nevek, dein Beitritt in die Schule wurde akzeptiert und du wirst ab heute darauf vorbereitet werden, Cardassia in Zukunft dienen zu können.

Ich schauderte und dachte an die Schule, zu der mich Vater schicken wollte. Ich konnte an nichts anderes denken, kannte nichts anderes und brachte ein halb erfreutes "Bamarren?" hervor.

Doch die eisige Mine schien kurz noch eisiger zu werden. Der Raum war wie ein grosser Eiskasten, gespickt mit messerscharfen Kristallen.
Mein Vater wärmte mit einem verdutzen Lächeln die Situation etwas auf und mir wurde wärmer ums Herz.

"Nein, Iliana, dort kommst du erst in ein paar Jahren hin. Aber es ist wichtig, dass du erst einmal auf diese Schule gehst, denn die bereitet dich darauf vor. Es ist ein Gedanken-Schulungs-Zentrum. Du wirst eine Zeit dort untergebracht und nach Abschluss wieder zu uns zurück kehren."

Mich traf der Schlag und alle Eiskristalle, die noch im Raum waren, schienen auf einmal von der Decke zu fallen und klirrend zu zerschellen. Ich sollte mein zu Hause verlassen und zu diesem sehr ungastlichen Mann gehen. Das war für mich unvorstellbar und ich wollte meinem Vater Parole bieten, doch sein Blick war auf einmal wieder zu bestimmend und zugleich spürte ich den Anflug dieser Missachtung erneut und ich nickte resignierend.

Ich sollte hinauf, das Nötigste packen und dann mich mit Gepäck wieder unten einfinden. Der Mann wartete auf mich und wir gingen gemeinsam los.
Wir stiegen in ein Shuttle und flogen los. Ich sah, wie Culat immer kleiner wurde und konnte ein paar Tränen nicht verbergen. ich war sehr jung und verstand nur die Hälfte von dem, was man mir abverlangte.

Heute weiss ich, dass es in unserer Gesellschaft zum guten Ton gehörte, wenn das erstgeborene Kind im Dienste Cardassias darauf vorbereitet wurde, spezielle Dienste im Militär oder andernorts zu bieten. Dafür waren vorzeitige Tests und Prüfungen notwendig, die den Geist stählern würden, um weniger anfällig für fremde Propaganda, Gehirnwäsche und andere Gedankenmanipulationen zu sein. Es konnte sogar so weit gehen, dass eine vulkanische Gedankenverschmelzung vollständig geblockt werden konnte.

Ich blieb ein ganzes Jahr an dieser Schule. Dieses eine Jahr reichte vollends für diese Art von Training aus. Was ich dort erlebte, werde ich allerdings in einem weiteren Eintrag festhalten.

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Beitragvon Iliana » So 17. Dez 2017, 12:43 #4 »

Die Schule war ausserhalb von Culat. Jede grosse Stadt hatte eine solche Einrichtung. Gut eine Stunde flogen wir hinaus ins Niemandsland. Hier hatte es mal Regenwälder gegeben, hatte mir meine Mutter einmal erzählt. Grosse, üppige Bäume mit viel Unterholz sollen sich hier hektarweit ausgebreitet haben. Doch eine Klimawandlung hat dies alles zerstört und hinterliess ein relativ trostloses Ödland mit nur vereinzelt ein paar Wäldern als Wohlfühloase, die bei Weitem aber nicht den von ihr beschriebenen Bewuchs aufbringen konnten.

Ein grosser, kuppelförmiges Gebäude, recht schmucklos und mit vier der gen Himmel ragenden Säulen, die man auch in Culat des Öfteren sah und an denen meist Verkehrsmittel andocken und Passagiere absetzen konnten. Sie waren wie Wächter, die sowohl die Leute im Gebäude bewachen sollten, wie auch die melden würden, die es wagten von dort zu fliehen. Die Tatsache, dass ich neben diesem eiskalten Cardassianer sass, der mit mir den Flug über kein Wort wechselte, bekräftigte mich in dem Gefühl, dass ich irgendwas verbrochen haben musste und nun vielleicht nicht an eine Schule, sondern ins Gefängnis kam. Vielleicht hatte ich meinen Vater zu oft enttäuscht.
Mir waren während des Fluges noch tausende andere Ideen gekommen, warum ich dort hin musste und keine gefiel mir besonders gut.

Die Schule war definitiv vom Militär geführt, was man unschwer daran erkennen konnte, dass mehrere echte Wachen davor postiert waren und auch darin hin und wieder umher liefen. Diese Tatsache wunderte mich aber weniger, denn mein Vater war ja auch irgendwas in der Art und wenn diese Schule meine Laufbahn vorbereiten sollte, dann musste ich früher oder später mit mehr solchen Personen Kontakt haben.
Trotzdem machten die mir Angst, denn keiner schien besonders freundlich zu sein.

Wir gingen zu einem Empfangsbereich, an dem ich meine Tasche zur Durchsicht abgeben musste. Ich konnte sehen, wie man einiges heraus nahm und in ein Schliessfach packte. Darunter waren meine Kleidung und ein bis zwei Spielsachen, die ich aus sentimentalen Gründen mitgenommen hatte. Als man es mir zurück gab, war der Beutel plötzlich extrem leicht. Es waren nur ein bis zwei Padds drin geblieben, die ich nun meine einzige, persönliche Habe nennen durfte.
An Kleidung bekam ich einen hässlichen, unifarbenen Overall, der mich stark an diese Gefangenen in den Gerichtsverhandlungen erinnerte. Noch mehr wurde ich darin bestärkt, irgendwas verbrochen zu haben.

Wer das cardassianische Rechtssystem kennt, der weiss, dass man dann keine Chance mehr hat, wenn die Schuld schon festgelegt ist. Alles wird hinter dem Rücken schon für einen entschieden und man kann nur noch gestehen, oder in absoluter Schande seinem Schicksal entgegen treten. Auf mich als Kind wirkte das abschreckend genug. Ich hatte nie vor, irgendwie als schuldiger vor Gericht zu landen.

Die kalten, kargen Gänge und die langen Korridore in dieser Einrichtung liessen mein Blut gefrieren. Ich zitterte leicht, als ich Edain Nevek folgte und er mich zu den Unterkünften brachte. Die Kuppel war geteilt in zwei Bereiche, einen Trainingsbereich für die Jungs und einen für die Mädchen. Alle elitären Schulen, auf die man ging, um etwas besseres zu werden, waren strikt getrennt nach Geschlecht. Einfach, damit es keine Ablenkung dadurch gab.
Der Schlafraum bestand aus sechs Betten, jedes Bett hatte einen Spind daneben stehen, in dem ein Fach uns allein gehörte. Dort konnten wir unsere persönliche Habe unter bringen und dort durfte nicht inspiziert werden. Ansonsten, erklärte man uns, würden wir kontrolliert werden und wenn man unerlaubte Dinge auf den Zimmern oder generell in unserem Besitz finden würde, dann würden wir bestraft. Ich war nicht die einzige Neue, denn die anderen fünf Mädchen in meinem Alter wirkten ebenfalls so unerfahren mit diesem System und eine war den Tränen nahe. Ich hatte meine schon auf dem Flug vergossen, doch gebracht hatte es nichts. Das Shuttle war nicht umgekehrt und keiner hatte mich tröstend in den Arm genommen.

Als man uns die Regeln näher brachte, hörten wir so aufmerksam, wie nur möglich, zu. Als Kind von vier Jahren, war das eine herausragende Leistung, denn die Regeln waren lang und ermüdend. Es gab eine Reihe an Regeln, die allgemein das Verhalten abdeckten, dann einiges an Regeln für den Umgang mit Dozenten und den Wachen, sowie einige Zeiten, die heruntergerattert wurden, wie am Laufband und die fast unmöglich waren, alle gleichzeitigim Kopf zu behalten.
Das war aber auch Taktik.

Ich merkte mir die Zeiten fürs Frühstück und die psychologischen Tests, ein anderes Mädchen konnte mit Mittag und Sport ergänzen und so ging das reihum. Wir hatten nach all der komischen Einführung Zeit, um uns näher kennen zu lernen und begrüssten uns erst einmal, stellten uns vor. Die meisten von ihnen waren aus ähnlich hohen Familien, wie ich es war oder aus Familien, die einen soliden Dienst in Militär und Geheimdienst hatten oder politsch engagierte Elten aufweisen konnten. Und dann war da noch die Heulsuse, die noch immer nicht die Tränen unterdrücken konnte und rein gar nichts von all dem verstand. Eines der Mädchen, sie war die Älteste, wenn man nach den Lebenstagen ging, konnte uns sogar etwas besser erklären, um was es hier ging. Ihr Vater hatte ihr wohl einiges vorher erzählt. Aber trotzdem wusste sie auch nicht alles. Uns wurde durch sie aber klar, dass dies definitiv so etwas, wie eine Schule war und dass hier unser Geist gefordert und gefördert werden sollte. Ich stellte mich auf Lernprozesse ein und auf viele Tests, die das Wissen dann abfragen würden.

Anfangs stimmte die Erklärung auch. Die Schule war in erster Linie eine Instanz, um unsere Loyalität zum Staat zu festigen. Gehirnwäsche würden andere sicherlich sagen. Die ersten zwei Wochen bestanden darin, fast nichts weiter zu tun, als uns endlose Aufzeichnungen anzuschauen, die über die Grösse Cardassias sprachen, wie wir unser Reich aufbauten, nachdem das Volk der Hebitianer vom Klimawandel dahingerafft wurde. Wie wir unzählige Kriege gewannen und uns andere Völker nichts anhaben konnten. Wie wir Technologie entwickelten, die anderen Völkern Jahre vorraus waren und wie wir das Recht hatten, andere Völker mit Missachtung zu strafen, zu unterjochen und als minderwertig zu betrachten. Wir waren eine Grösse im Universum, die kaum einer erreichen würde.

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Beitragvon Iliana » Mo 18. Dez 2017, 01:31 #5 »

Nach den zwei Wochen gab es für uns fast keinen Zweifel daran, dass wir quasi die Übermenschen waren und alle anderen uns die Stiefel lecken durften. Wir waren sehr stolz darauf Cardassianer zu sein und trugen das Herz am rechten Fleck. Nationalstolz ohne Wenn und Aber.

Auch die folgenden Wochen wurden wir immer wieder bestärkt darin und lernten zudem einige Fakten über die verschiedenen Völker, besonders über unsere Nachbarn im Alphaquadranten.

Die Menschen, Vulkanier und viele andere hatten sich zu einer Föderation geeinigt, die einer naiven Idiotie hinterher jagten. Die Klingonen waren unzivilisierte Wilde, Bajoraner unterentwickelte Sklaven, die nur dank der Föderation gegen uns aufbegehren konnten, Romulaner waren gefährlich und kriegerisch, oftmals aber durch ihre Gefühle und ihrem Egoismus bestens durcheinander zu bringen. Wir lernten, dass ihr Geheimdienst dem unseren nicht das Wasser reichen konnte und man sie am besten von Innen heraus vernichtete.
So ging das Ganze weiter und man schürte den Hass gegen diese Völker umso mehr. Vorurteile sammelten wir massenhaft an und hin und wieder sprachen wir kurz vorm Schlafengehen in unseren Betten darüber, wie wir Bajor wieder zurück holen würden, wie wir das klingonische Reich uns unterstellen und als Krieger nutzen würden, um den Rest des Alphaquadranten unser werden zu lassen.


Zusätzlich zu all der Xenophobie und des Überlegenheitsgedanken, der uns regelrecht eingepflanzt wurde, mussten wir lernen und das aufs höchste diszipliniert. Fehler gab es keine, Versagen hatte Strafen zur Folge.
Ich war in dem glücklichen Umstand, dass ich schon lesen konnte, zumindest einfache Dinge. Die Zusammenhänge komplexer Texte, in denen die Gewichtung durch die Lage der Sätze beschrieben wurde, war mir auch noch zu hoch. Darum ging es hier aber auch nicht.
Die Lehrstunden waren Vermittlung von Wissen, um den Geist zu trainieren. Wir sollten uns Dinge besser merken und diese abrufen können.

So führte man uns an eine Konsole mit verschiedenen Elementen darauf, lies uns einen kurzen Moment darauf blicken und diese dann an einer anderen Konsole nachstellen. Erst einfach, indem man uns etwas Zeit lies und auch gleich im Anschluss zur Nachstellungskonsole führte, Ende des Jahres komplex mit einem Wimpernschlag Zeit, heftiger Ablenkung dazwischen und spontanem Nachstellen während reinstem Chaos. Disziplin war von Nöten, um dabei einen kühlen Kopf zu bewahren und alles richtig und in weniger, als der vorgegebenen Zeit zu schaffen.

Ein weiterer Test, den wir immer wieder in unterschiedlichen Bereichen hatten, war die Suggestion von Wünschen. Man kann jemanden dazu bringen, etwas zu tun, was er sonst nie machen würde. Durch Wiederholungen, spontane Bildeinblendungen und dergleichen.
Immer, wenn wir dann genau darauf hereingefallen waren, gab es Strafen. Keine direkten, sondern das, was wir fälschlicherweise taten oder assen und tranken, hatte derbe Konsequenzen.
Wir entschlossen uns für einen speziellen Stuhl, aber der stand unter Strom. Wir tranken von der suggerierten Flasche, danach brannte uns höllisch der Magen.
Ich lag während dieser Phase sicher zwanzig mal im Krankenflügel, erbrach mein Inneres, litt Höllenqualen oder musste Verbrennungen oder Brüche kurieren lassen.
Mit Disziplin entschieden wir nach und nach, was wirklich unser Gedanke war, oder was durch Hirnwäsche uns weiss gemacht worden war. Ich verstand in dem Moment auch, warum man uns vorher Loyalität ins Hirn gebrannt hatte.

Dieser sass tief....sehr tief.


Gegen Ende des Jahres fingen dann aber die Dinge an, bei denen andere Völker sicher fragen würden: Cardassia, was tust du deinen Kindern an?
Wir hatten schon vorher ein paar Ausfälle zu verzeichnen, das Mädchen, welches diesen ganzen Druck von Anfang an nicht durchgehalten hatte und auch mit unserer sich etablierenden Gruppendynamik nicht klar kam, weil sie schon durch ihr Wissen und durch ihren Stand nicht gut hinein passte, bekam erhebliche gesundheitliche Probleme, verweigerte das Essen und wollte einfach nur nach Hause. Es war eine Schande nach Hause geschickt zu werden, vor allem aber für unsere Familien, weniger für ihre. Sie war wahrscheinlich unendlich froh, endlich gehen zu dürfen. Wir hatten sie für einen Moment beneidet, denn um ehrlich zu sein, wollte ich gern auch zu meinen Eltern zurück. Aber mein Vater hätte mich wahrscheinlich links liegen lassen und damit wäre ich überhaupt nicht klar gekommen.

Nach und nach lichtete sich aber nach der Heulsuse noch weiter das Feld. Ein anderes Mädchen wurde bei einem Psychologietest raus genommen, da ihr mentales Befinden besorgniserregend wurde. Eine andere kam mit dem Druck nicht klar und brachte sich um. Sie hatte mit einer Gabel unterhalb des Kinns angesetzt und zugestochen. Allerdings war sie nicht von unserer Gruppe gewesen. Wir waren bis zu den ganz besonderen Tests noch immer vier Mädchen, die wacker zusammenhielten und sich gegenseitig Mut zusprachen. Wir würden das schaffen, für unsere Familien und deren Ehre und natürlich für Cardassia.

An einem Morgen teilte man uns mit, dass wir in die nächste Stufe aufgenommen wurden und dass dies eine Ehre für uns sei. Es war eben ungefähr die Mitte meiner Ausbildung in dieser Schule, allerdings wusste ich da noch nicht, wie lange ich noch dort verweilen sollte.
Wir sollten uns vorbereiten, denn die nächste Phase sollte vom Level her noch einmal ansteigen. Für uns kaum vorstellbar, denn die Anforderungen bisher waren schon extrem.

Nach dem Appell und einem ausgiebigen Frühstück, bei dem wir mal wieder beweisen mussten, dass wir nicht das wählen würden, was uns vorher einige Anzeigen, Tonbandaufnahmen und geschickt platzierte Hinweise schmackhaft machten, holte man uns als Gruppe in einen Flurbereich, in dem wir noch nie waren. Dort standen Stühle, auf die wir uns setzen sollten, unbequeme Dinger, wie fast alles hier. Mehrere Türen zierten die uns gegenüberliegende Wand und als sie zeitgleich aufsprangen und jeweils ein Cardassianer in Uniform darin stand, sprangen wir auf und warteten auf Befehle.

„Iliana, mitkommen.“

Ich folgte sofort. Meine anderen Kameradinnen liefen ebenso zu der Tür, von der aus ihre Namen gerufen wurden.
Dort stand ein Stuhl, ein recht hoher, mit vielen Gerätschaften drumherum.

„Setze dich und entspann dich.“

Der Mann, der mir dies auftrug, war der Mann in dieser schwarzen, aber nicht militärischen Uniform aus glattem Stoff. Ich setzte mich, aber entspannen konnte ich einfach nicht. Er kam zu mir herüber und testete erst einmal Reflexe, meine Augen und andere Bereiche, die auf irgendwelche gesundheitlichen Problemchen hinweisen konnten. Scheinbar hatte er nichts gefunden.

„Du bist das erste Mal in diesem Raum?“

Ich nickte.

„Dann möchte ich dich kurz aufklären, worum es hier geht.“

Ich wartete gespannt ab. Selten bekamen wir echte Informationen darüber, was denn als nächstes und vor allem warum es verlangt wurde.

„Ich werde dir gleich etwas auf die Augen setzen und in deinem Nacken platzieren. Du brauchst keine Angst zu haben, das tut weder weh, noch ist es irgendwie anderweitig gefährlich für dich.“

Ich konnte mich noch immer nicht entspannen, sondern spürte eher einen Verspannungsschmerz in meinem rechten Nackenkamm.

„Über das Okular auf deinen Augen wirst du Bilder sehen und das Gerät in deinem Nacken wird zum einen dein Hirn stimulieren, zum anderen aber Daten abgreifen, sodass ich weiss, ob es dir gut geht, oder ob du Angst verspürst. Ich möchte mit dir gemeinsam herausfinden, was dir Freude bereitet und wovor du dich fürchtest. Hast du das alles verstanden?“

Während er so weiter sprach und mir alles erklärte, waren seine Worte ruhig und eher einfühlsam gewesen. Ich hatte diesen Ton noch nie hier in dem Institut gehört.
Trotzdem wollte sich mein Körper einfach nicht entspannen.
Er setzte mir das Okular auf, befestigte etwas kaltes in meinem Nacken, was einige spürbare Metallspitzen an die Haut gleich unterhalb meines Schädels drückte.
Er befestigte ausserdem einige Riemen an meinen Beinen und Armen, damit ich mir, falls die Ängste zu schlimm waren, nicht weh tat.

Und dann schaltete er es ein.

Zuerst ergründete er tatsächlich die Dinge, die mir Freude bereiteten. Er zeigte mir Bilder von Blumen, grünen Parks, dem Meer, sogar ein paar meiner Lieblingsspeisen waren dabei. Hin und wieder kamen aber auch Dinge vor, die ich nicht so mochte, vor denen ich mich ekelte oder die mir einfach nichts sagten. Es waren auch Bilder von Aliens dabei, mit denen er wohl testete, ob meine Grundbildung noch gefestigt war. Und tatsächlich. Bei den meisten fühlte ich Abscheu, Desinteresse oder sogar Hass. Aber Angst war bisher keine dabei gewesen.
Es folgten Bilder, die als Serie interpretiert werden konnten und ich erkannte darin meine Familie. Es brauchte nur diesen kleinen optischen Trigger und diese Hirnstimulanz, um plötzlich alles so ablaufen zu lassen, als wäre es tatsächlich gerade live, als passiere es jetzt gerade mir.

Ich kehrte nach Hause zurück und stand vor meinem Vater, der mich ansah, als sei ich ein kleiner Wurm, den man zertreten musste. Ich ging auf ihn zu, doch er wand sich ab und ging davon. Flehend versicherte ich ihm, dass ich weiter machen würde, dass ich alles tun würde, nur er sollte mir seine Liebe weiterhin schenken, seine Aufmerksamkeit.
Doch es steigerte sich mehr und mehr hinein. Er erwiderte nichts, ich fühlte mich allein, verloren und verlassen. Ich wimmerte, ich schrie, ich trommelte mit den Fäusten auf den Boden. Für mich ging gerade meine heile Welt zu Bruch. Es war, als wenn Vater für mich gestorben war, oder besser gesagt, als wenn ich für ihn gestorben sei.
Panik machte sich in meinem Körper breit, Schweiss lief mit von der Stirn und ich spürte einen Schmerz auf meiner Wange.
Langsam sah ich durch einen feuchten Schleier die Umrisse dieses Cardassianers und dieses Raumes, in den man mich gebracht hatte.

„Das ist für heute genug.“

Ich starrte ihn an und er lächelte. Erst jetzt wurde mir bewusst, dass das Wasser auf meinen Wangen meine Tränen waren. Ich war enttäuscht von mir selbst. Mich hatte meine damalige, grösste Angst voll im Griff gehabt.

„Da wir nun wissen, was dir Angst macht, werden wir daran arbeiten. Diese Angst ist nämlich eine Schwäche, die deinen Gegnern dienlich sein kann. Wir werden daran arbeiten, dass du sie ignorieren kannst.“

Ich sah ihn mit noch immer verschleiertem Blick an und nickte zitternd. Für meinen Körper war das eine extreme Erfahrung und Anspannung gewesen, die sich jetzt erst zu lockern begann. Meine Beine fühlten sich wie Gummi an, mein Mund war unfähig echte Worte zu bilden.

„Deine Angst besiegen kannst nur du. Aber es werden sicher auch neue Ängste dazu kommen. Angst haben ist nichts Schlimmes, sich von ihnen übermannen lassen, aber schon. In schlimmen Fällen kann das dazu führen, dass du Informationen an den Feind weiter gibst, deine Kameraden verrätst oder sogar ausser Rand und Band völlig vergisst, wer Freund und Feind ist. Deswegen müssen wir daran arbeiten, dass du die Kontrolle behältst.“

Ich nickte. Auch mein Kopf fühlte sich unendlich schwer an und ich war müde.

Er half mir vom Stuhl runter und ich trottete zurück zu den Schlafquartieren. Dort waren einige meiner Kolleginnen auch schon wieder anwesend und keine sprach ein Wort bis zum nächsten Morgen.

Die nächsten Wochen waren Folter, denn immer und immer wieder gingen wir die Ängste an. Ich sollte Strategien entwickeln, um damit klar zu kommen, damit ich keine Tränen mehr vergiessen würde, damit es meinen Körper nicht so angreifen würde. Die Angst des unendlichen Versagens und dem Wegfall meiner Vertrauensperson, der ich so sehr nacheifern wollte, waren ein schwerwiegendes Thema, zumindest für meinen Geist und meinen Körper. Ich sollte mir in solchen Momenten zum Beispiel positive Vorstellungen machen, an etwas denken, was mir Kraft geben oder mich mit Endorphinen bespassen würde.

Er erklärte mir auch, dass diese Strategie nicht nur meine Ängste in Zaum halten könnte, sondern in einer etwas anderen Form gegen Telepaten genutzt werden konnte. Ich empfand das als interessant, allerdings brachte mir diese Zusatzinformation in den aktuellen Belangen relativ wenig.

Es gab Tage zu dieser Zeit, in der ich kaum schlief, weil ich Angst hatte, dass ich wieder diese Träume haben würde. Einmal versteckte ich mich auch, wurde entdeckt und ein paar Stromschläge später war ich bereit dazu, wieder die Ängste über mich ergehen zu lassen.

Meinen anderen Kameradinnen erging es nicht anders. Und am Ende waren wir nur noch drei in meiner Gruppe, die weiter kommen sollten. Wir schaffte es unsere Angst zu kontrollieren, auch wenn uns dafür Nachts, wenn die Kontrolle weg war, die Träume einholten, die Angst vor der nahen Zukunft war mehr, als je getriggert worden und unser ständiger Begleiter. In den Jahren wandelte sie sich zwar, war aber immer da und bestimmte unseren Schlaf. Ich fürchte, dass keiner, der diese Schule abgeschlossen hatte, wirklich richtig friedlich schlafen konnte. Manche waren abgestumpfter, aber jemand, der emotionaler war, jemand wie ich es selbst war, würde dies ein Leben lang heim suchen.

Ich hatte gedacht, dass alles danach nicht mehr schlimmer machen konnte, doch unser Training des Geistes war noch nicht vorbei. Wir hatten vorerst eine Ruhephase, in der wir vor allem mittels Meditation und Gedankenspielchen den Geist stärkten und versuchten Lüge und Wahrheit zu erkennen und zu verbergen. Lügen war nun Pflicht und wehe man wurde dabei erwischt. Es gab eine fiese und für mich extrem bedrohliche Regel. Wer dreimal beim Lügen erwischt wurde, durfte heim gehen. Ich war schlecht im Lügen. Dafür war eine meiner Zimmerkolleginnen ein echtes Naturtalent. Ihr glaubte man alles sofort. Sie versuchte mir zu helfen, dass ich auch besser wurde und selbst in der Nacht, wenn wir eigentlich schon todmüde waren, übten wir, damit ich den nächsten Tag mich einigermassen durchmogeln konnte.
Ich genoss die Meditationsübungen und hasste die Fragerunden danach. Ich versuchte keine Lüge zweimal zu erzählen, stoisch zu blicken, oder das Ganze mit Lächeln zu überspielen, doch ich kassierte einen Verweise, einen weiteren und sah mich schon verlieren. Egal wie sehr ich mich anstrengte, ich hatte kein Selbstvertrauen in mich, dass ich das jemals packen würde und es zermürbte mich, nicht zu wissen, wann es vorbei sein würde, wann wir zum Schluss kommen würden.

Durch diesen Mangel an Selbstvertrauen merkte ich gar nicht, dass ich besser geworden war. Ich hielt mich für schlecht und wurde zudem von meinen Ängsten jede Nacht wach gehalten. Die Zukunft, vor der ich so sehr Angst hatte, würde kommen, heute, wenn ich wieder zur Fragerunde muss, morgen oder übermorgen...jederzeit.
Und dann sass ich dem Mann gegenüber, der mich damals von zu Hause abgeholt hatte. Ich war ihm fast nie wieder begegnet, bis eben auf diesen Moment. Mir steckte ein dicker Klos im Hals, mein Herz blieb für einige Momente stehen und ich wollte mich wie ein Regnar am liebsten im Sand verstecken, mit der Wand verschmelzen, irgendwas.

Er sass mir ruhig gegenüber und sagte kein Wort. Ich tat ihm dies gleich. Sein Starren war unangenehm und lang. Ich fragte mich, ob er überhaupt mal zwinkern musste.
Für mich vergingen Minuten, Stunden, Tage...Ewigkeiten und die Wände schienen näher und näher zu rücken. Eiskristalle hatten sich darauf gebildet, die wie tödliche Dornen bald meinen Körper durchstossen würden. Ich fröstelte, versuchte aber in diesem Blick irgendwas zu lesen. Ich wollte wissen, warum er mich so anstarrte, bekam aber kein Wort heraus. Schweiss rann mir den Nacken herunter und gefror bei dieser Spannung, die in der Luft lag.

Dann urplötzlich, ich weiss nicht, wie viel Zeit vergangen war, stand er ruckartig auf. Ich war so sehr überrascht, dass ich mit dem Stuhl nach hinten kippte und erst einmal auf dem Boden landete.Völlig verunsichert starrte ich seine Hand an, die er mir entgegen streckte und seine Worte schnitten mir durch die Seele, wie durch Papier.

„Du darfst nach Hause gehen!“

Ich blinzelte, sah ihn perplex an. Ich wusste nicht, was das jetzt sollte. Ich durfte heim? War denn die Schule zu Ende? Wie lange hatte ich hier eigentlich nun wirklich gelernt?
Dann aber kamen die Ängste. Ich hatte versagt. Ich hätte sicher etwas sagen sollen. Irgendeine Reaktion hatte er sicher erwartet. Schliesslich war das doch ein Frage- und Antwortspiel gewesen. Nur hatte niemand eine Frage gestellt und die Antworten hatten mehr Fragen erzeugt.

Mehr sagte er mir nicht, sondern verliess den Raum. Ich blieb einen Moment lang stehen, kämpfte innerlich damit die Enttäuschung zu verarbeiten und zugleich wusste ich, dass es unvermeidlich gewesen war.
Ich kam in den Schlafraum zurück und war nicht die Einzige, die geknickt zu Boden sah und mit den Tränen kämpfte. Die ganze Zeit, die wir hier verbracht hatten, entlud sich auf einmal und lähmte meinen Körper. Ich fiel wie ein nasser Sack auf mein Bett und ich wollte schreien und weinen, doch es kam keine Träne und kein Ton hervor. Ich vergrub meinen Kopf in dem kleinen Kissen. So konnte niemand mein Gesicht sehen.

„Was? Du auch?“

Ich hatte nicht bemerkt, dass wir mittlerweile wieder alle im Zimmer waren, dass unsere Beste in diesem Lügenspiel nun auch den Raum betreten hatte. Ich sah auf und war erstaunt, dass sie ebenfalls an sich zweifelte. Ausgerechnet sie.

Doch durch den Austausch untereinander, der uns schon immer gestärkt hatte, erkannten wir, dass irgendwas nicht so war, wie wir es anfangs vermutet hatten. Es war unmöglich, dass wir alle drei durchgefallen waren. Die anderen beiden waren gut bis sehr gut gewesen, nur ich hatte vielleicht versagt.
Und dann wurde es uns plötzlich bewusst. Wir waren nicht durchgefallen, sondern wir hatten unseren Abschluss geschafft. Wir konnten heim, weil wir tatsächlich fertig waren.
Was waren wir froh. Unsere Herzen sprangen vor Freude bis an die tiefe Decke unserer Unterkunft. Endlich wieder die Eltern sehen, die wir seit knapp einem dreiviertel Jahr nicht mehr gesehen hatten. Wie zufrieden wir ins Bett gingen.

Mitten in der Nacht überfiel man uns urplötzlich. Dank der Mitteilung, dass wir nach Hause durften, hatten wir seit Langem mal wieder einen ausgiebigen, tiefen Schlaf. Niemand von uns war wachsam genug gewesen, um das Öffnen der Tür zu hören, oder die Schritte, die sich jedem Bett näherten.
Ich wurde gepackt, der Mund wurde mir zugehalten und das mit einem sehr kräftigen Druck. Danach spürte ich eine Nadel, die in meinen Hals stach, ein Brennen breitete sich aus und eine Ohnmacht fesselte mich nach und nach.

Danach wachte ich in einem dunklen Raum auf. Ich hatte noch immer meine Schlafkleidung an und trug keine Schuhe. Der Boden war kalt für cardassianische Verhältnisse und die Kälte kroch schnell höher. Ich versuchte durch Stehen den Abstand zu vergrössern und somit die Zeit hinaus zu zögern, bis die Kälte meinen Oberkörper erreichen würde.
Ich sah mich um und versuchte in der Dunkelheit etwas zu entdecken. Ich durchschritt eine Tür, was ich an dem Türöffnungsgeräusch erkannte. Ich war noch immer in der Einrichtung, oder zumindest waren das cardassianische Türen.
Dann war da plötzlich ein helles, gleissendes Licht. Meine Augen wehrten sich sofort dagegen und mein Hirn signalisierte mir einen so heftigen Schmerz, dass ich fast das Gleichgewicht verlor. Ich hätte aber nicht fallen können, sondern war so geblendet, wie ich war, gepackt und auf einen Stuhl gesetzt und festgeschnallt worden.
Ich wusste wieder einmal nicht, wie mir geschah. Was war denn jetzt plötzlich los?

Das helle Licht wollte nicht aus gehen, auch wenn ich darum bat. Es brannte sich gefühlt in meine Netzhaut hinein. Überall funkelten lila Lichter, wenn ich doch einmal durch eine Kopfdrehung einen etwas dunkleren Fleck ausmachen konnte.

„Wer bist du?“ fragte eine ernste, forsche Stimme. Sie klang nicht unbedingt cardassianisch und ich war sehr verwirrt. War innert der Nacht Cardassia infiltriert worden und man versuchte uns jetzt auszuhorchen?
Ich antwortete nicht, weil ich noch die neuen Eindrücke verarbeiten musste. Wenn es so wäre, dann durfte ich nichts sagen.

Ich weiss nicht, ob es meinen Prüfern Spass gemacht hatte, ein Kind derart zu testen, aber das war der Beginn meiner letzten Lernphase an diesem Institut. Wir durchliefen eine Reihe von sehr anstrengenden und sehr realistischen Tests, die uns als solche aber erst später offenbart wurden. Es war eine Zeit der Entbehrungen und sicherlich hatte man dafür Cardassianer genommen, die definitiv den Staat über die Familie stellten, oder Kinder abgrundtief hassten. Ich lernte, was man unter Folter zu verstehen hatte. Allein, unwissend, mit Mangel an Nahrung und Wasser, mit körperlichen und psychischen Strafen versuchte man Informationen aus mir heraus zu bringen und meine Fähigkeit zu lügen noch mehr zu intensivieren. Es gab Momente, da wollte ich ihnen alles sagen, doch meine Angst, die ich hatte, konnte ich hier als Stärke einsetzen. Die Angst vor dem Versagen war grösser, als die Angst vor weiteren Entbehrungen. Die Angst meinen Vater nie wieder sehen zu können, lies mich nicht verrückt werden, liess mich weiter kämpfen.
Dazu ist allerdings noch zu sagen, dass anders, als bei wahrer Folter, die Belohnung für gute Lügen und für das Bestehen einer dieser Tests höher ausfielen. Trotzdem, für ein Kind dieses Alters, war es keine Zumutung und ich fürchte fast, dass kein anderes Volk so sehr seine Kinder drillt.

Ich erwähne hier lieber keine weiteren Details in dieser Sache, denn das Ausmass mit dem Erstgeborene, die dem Staat geopfert wurden, dort behandelt wurden, würde sich auch kein Erwachsener wünschen. Und klar war, als wir auch diese Prüfung schafften, dass dann der ergänzende Teil uns wahre Befriedigung verschaffte. Wir machten einen Ausflug in eines der cardassianischen Gefängnisse und durften selbst Sträflingen das antun, was uns angetan worden war. Man kann sich als Aussenstehender sicher nicht vorstellen, wie erlösend es sein kann, all den Stress und Hass auf jemanden entladen zu können, jemanden, der ohnehin nichts wert war.

Wenn man uns als Monster bezeichnet, dann muss ich genau hier an dieser Stelle sagen: Ja, wir waren Monster, sogar für unsere eigenen Kinder. Doch was uns nicht umbringt, macht uns stark und wir, die aus dieser Hölle mit einem Abschluss heraus kamen, waren vorbereitet auf viele Dinge, die uns in unserer Zukunft geschehen sollten. Ich hatte zwei Freundinnen gefunden, die ebenfalls aus meiner Wohngegend stammten und mit denen ich dann zur Schule gehen sollte. Die Freundschaft hielt an, bis zu einem anderen schicksalhaften Tag.
Danach waren Schule, Training und alles andere ein Kinderspiel und mein Vater war unendlich stolz und liess mich das auch spüren.

Es gab ein kleines Fest, als ich nach Hause zurück kehren durfte. Mein Vater hatte Freunde eingeladen, um diesen Moment zu feiern und da traf ich auch zum allerersten Mal Skrain Dukat. Dieser Mann war sehr von sich überzeugt und gratulierte mir für das Bestehen meiner Prüfungen. Er selbst sei ebenfalls ein Absolvent gewesen. Ich erfuhr, dass er ein Legat war und uns praktisch führte. Ich war stolz gewesen, dass mir so jemand gratuliert hatte, regelrecht energetisch aufgeladen. Ich sah ihn sonst noch 1-2 Mal, als er Gespräche mit meinem Vater führte.
Einige Zeit später wurde er degradiert zu einem Frachterkapitän. Mein Vater meinte, er habe eine uneheliche Tochter, eine Halbbajoranerin als Tochter und dass ihn seine Frau und mit seinen Kindern verlassen habe. Legat Dukat war degradiert worden durch diese Schande und mein Vater arbeitete nun nicht mehr mit ihm zusammen, sondern erhilt andere Aufgaben. Er musste wieder öfter reisen und war länger daheim abwesend.

Während der Schulzeit in diesem Institut war ich fünf Jahre alt geworden und durfte nach einer Pause von 30 Tagen zu weiteren Tests gehen, die aber nicht mehr so schlimm waren. Meine Angstbewältigung war unter anderem ein Thema weiterhin, aber auch gewisse Tests und Übungen, die mir halfen, wieder ein wenig runter zu kommen. Auch diese schulten weiterhin Disziplin, jedoch auf einem ganz anderen Level. Vor allem aber dokumentierte man mir immer wieder eine grosse Zukunft und sowas spornte an, half sogar beim Verarbeiten der Dinge, die geschehen waren. Sie waren bald Geschichte. Meine Kindheit war mir trotzdem genommen. Ich tollte nicht mehr herum, ich beschäftigte mich gewissenhaft mit den mir erteilten Aufgaben, ich war in vielen Belangen Erwachsen geworden und mein Geist dürstete nach mehr Herausforderungen.

Was aber das Wichtigste war, was ich aus dieser Schule mitnahm, war der Umstand, dass ich anfing Dinge zu hinterfragen. Ich war zwar Cardassia gegenüber loyal und sah darin auch keinen Zweifel, aber jeglicher Inhalt des folgenden Schulunterrichtes wurde gründlich von mir hinterfragt und ich erkannte mit den Jahren Ungereimtheiten. Ich kann sagen, dass zu einem grossen Teil genau diese Ausbildung bei mir bewirkte, dass ich offener für andere Ideen wurde. Es brauchte seine Zeit, aber dort sehe ich den Samen, der gesät wurde...
Zuletzt geändert von Iliana am Mo 18. Dez 2017, 02:41, insgesamt 2-mal geändert.

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Beitragvon Iliana » Mo 18. Dez 2017, 02:32 #6 »

2372 / 736. Jahr der Card. Union


Ich war fünf Jahre und wie im vorigen Eintrag erwähnt, erwachsener geworden, zumindest im Geist. Ich durfte nach dem Institut und einer längeren Wartezeit dann endlich in die normale Schule gehen. Hier traf ich auch meine beiden Freundinnen wieder, die ich im Institut kennengelernt hatte. Marla Tramar und Liara Da'heel. Wir hatten viele gemeinsame Interessen, wie wir feststellten. Jeder von uns mochte Kunst als einen Ausgleich von dem Lernen und dem ganzen Druck unserer Familien, die immer unser Leben bestimmten.

Marla schrieb schon Gedichte, einfache Poesie, aber sie wusste sich auszudrücken. Ich zeichnete gern und Liara machte Musik. Sie sang wunderbar, während bei mir alles nur schief klang. Sie hatte eine so zarte Stimme und wir waren uns sicher, dass sie auch eine wunderbare professionelle Sängerein sein könnte. Doch ihr Vater hatte mit ihr andere, politische Pläne und auch Marla war in Aussicht gestellt worden, dass sie einmal in der Politik landen würde. Somit würden beide eventuell nicht nach Bamarren geschickt werden, so wie ich, sondern wohl eher auf eines der politischen Institute.

Der Tag, an dem ich mir darüber Gedanken machte, wieder eine Zukunft, die mich zu sehr beschäftigte, war auch der, an dem ich eine Drehung beim Training mit den Klingenwaffen nicht richtig machte, über meine Füsse stolperte und dann brannte mein Rücken fürchterlich und ich konnte mich nicht mehr bewegen.
Ich landete in einem der nahen Krankenhäuser und man flickte mich wieder zusammen. Mein Vater hatte wieder diesen Blick gehabt, als ich erwacht war. Das war das letzte Mal, dass ich ihn enttäuschte. Ich sollte immer bei der Sache bleiben und deswegen liess er die Narbe nicht weiter behandeln, sondern sie sollte mich stets daran erinnern. Ja, mein Vater war in diesen Punkten hart, aber ich muss wirklich sagen, dass dies die kommenden Jahre sehr geholfen hatte. Ich vergass nie mehr meinen Fokus, vor allem nicht bei den Aufgaben, die mir zugeteilt worden waren oder auch jetzt nicht mehr bei der Arbeit.


In den Jahren 2373 -2375 lernte ich dann endlich in der Schule, dass Cardassianische Schriften mit ihrem Aufbau einen besonderen Zweck erfüllten und der gleiche Text je nach Stellung der Sätze einen anderen Sinn, eine andere Bedeutung ergab. Es war eine komplexe Schreibweise, die erst einmal verinnerlicht werden musste. Wissenschaften interessierten mich in der Schule weniger, zumal ich ohnehin irgendwas anderes werden sollte, als ein Wissenschaftler. Auch wenn die Frauen da sehr gut drin waren, ich mochte es nicht sonderlich. Das änderte sich erst in der Sternenflotte etwas. Für mich waren damals die Schrift und die Sprachen wichtiger. Ich begann mit sechs Jahren dann endlich auch cardassianische Romane zu lesen und Poesie folgte mit sieben. Ich liebte unsere Detektivgeschichten. Es waren zwar alle schuldig, aber herausfinden, wer welche Tat begangen hatte und warum, war oftmals gar nicht so einfach. Ich war mir sicher, dass ich einen schlechten Inspektor abgeben würde oder dass die Bücher manches Mal einfach nicht genug Informationen bereit hielten.

Mich interessierte auch mehr und mehr die Welt in den Sternen. So verfolgte ich den Kriegsverlauf mit meinem Vater zusammen.
2373 schloss Cardassia das verhängnisvolle Bündnis, was für meinen Vater ein Zeichen für neu wachsende Stärke im Alphaquadranten war. Meine Mutter sah dem kritisch entgegen Ich war meines Vaters Meinung. Cardassia konnte mit solch einem starken Partner, vor dem die Sternenflotte gehörige Angst hatte, sicherlich den Alphaquadranten Untertan machen.
Als dann 2374 Legat Corat Damar für das Cardassianische Reich die Führung übernahm, vermutete wir einen Sieg nach dem Anderen. Die Hoffnung war deutlich spürbar. Der grosse Geist Cardassias feuerte den Krieg an und viele meldeten sich freiwillig, um ihren Beitrag für den Krieg zu leisten, egal ob Dienstleister oder Soldaten.
Aber auch der Widerstand bekam mehr Unterstützung. Jedoch wurde dieser verfolgt, beziehungsweise totgeschwiegen. Ich erfuhr erst durch Nachforschungen davon und das Jahre später auf Föderationsseite..
Ende 2374 beschlossen dann die Romulaner ebenfalls dem Dominion und somit Cardassia den Krieg zu erklären. Öffentlich wurde darüber wenig berichtet, denn wir sollten uns sicher fühlen, aber durch Vaters Arbeit waren wir bestens informiert. Trotzdem war mein Vater davon überzeugt, dass sich das Blatt noch wenden würde, selbst nachdem Anfang 2375 nach und nach Kolonien Cardassias verloren gingen und die Linien der Verteidigung immer mehr zusammen brachen.

Und dann kam Mitte 2375 ... das letzte Jahr, in dem ich cardassianischen Boden unter meinen Füssen spüren durfte und dem wundervollen Farbenspiel der Sonne auf den Dächern Culats beiwohnen durfte.

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Beitragvon Iliana » Mo 18. Dez 2017, 23:54 #7 »

2375 / 739. Jahr der Card. Union, ca. Mitte des Jahres


Auf Cardassia schien Anfangs noch alles in Ordnung zu sein, doch innen brodelte es gewaltig. Als Kinder liess man uns das nicht weiter spüren, verstärkte sogar noch ein wenig die Propaganda.
Das Militär hatte die vollständige Kontolle zusammen mit dem Dominion und verfolgte Mitglieder des Widerstandes, aber auch des Obsidianischen Ordens, von dem man munkelte, dass dessen Führung nicht mehr existent war. Besonders gut war es, wenn man beides noch miteinander kombinieren konnte.

Tarkan Nol kam eines Abends zu uns und tat sehr geheimnisvoll. Mein Vater war unterwegs gewesen und wir wunderten uns, da eigentlich Tarkan Nol hätte bei ihm sein müssen und nicht hier in Culat.
Tarkan teilte uns mit, dass sie in Lakarian City gewesen waren, Cardassias Hauptstadt und dass es dort einen Zwischenfall gegeben hätte. Er wollte und konnte keine Details nennen. Aber er versprach uns, uns weiter zu informieren und die Augen offen zu halten.

Das tat er auch. Wir erhielten von offizieller Stelle ein Schreiben, in dem uns mitgeteilt wurde, dass eine Untersuchung eingeleitet worden war, denn mein Vater war als vermisst gemeldet worden. Er hatte seinen Dienst nicht angetreten und das war ein derbes Pflichtversäumnis.
Als wir bei einem erneuten Besuch seines Freundes dies mitteilten, blickte dieser uns grimmig an, nahm meine Mutter an der Schulter und teilte ihr die wohl schlimmste Nachricht mit, die einer cardassianischen Familie überbracht werden konnte.

In Lakarian City waren sie bei ihrer Mission in einen Hinterhalt geraten. Mein Vater hatte ihm die Flucht ermöglicht, indem er sich einen Weg durch die Attentäter gekämft hatte. Das passte zu meinem grossen, kräftigen Vater. Tarkan war eher schmächtig gewesen.
Er habe ab und an bei der Flucht zurück geschaut und gesehen, wie sich ein Blasterschuss entladen hatte, der auf meinen Vater gerichtet gewesen war. Zu mehr war er nicht gekommen.
In Kombination mit der Meldung war mein Vater nicht mehr zu retten und Tarkans Informationen verschlimmerten unsere Situation noch mehr. Angeblich hatten sie Dokumente dabei, die den Widerstand betrafen, da sie Widerständler eigentlich hätten ausfindig machen sollen. Diese würden nun aber wohl eher dazu führen, dass mein Vater als Wiederständler gebranntmarkt werden würde. Dies war der erste Moment, in dem ich spüren konnte, wie sich die Bajoraner gefühlt haben könnten.
Für mich brach eine Welt zusammen. Ich konnte die Nachricht von Vaters Tod oder seinem zukünftigen nach einer Verurteilung, gar nicht richtig verarbeiten, da musste ich schon packen und mit Tarkan und Mutter aus unserem Haus fliehen, im Dunkeln, durch enge Gassen und hinein in ein Shuttle in Richtung Lagerhäuser. Tarkan hatte noch Kontakte und half uns von Cardassia weg. Ich bewegte mich die ganze zeit wie steifgefroren, ich funktionierte, aber mein Geist war abgeschalten. Ich stand unter Schock.

Und dieser Zustand hielt eine ganze Weile an. Ich weiss nicht mehr richtig, wie wir auf einen Transporter gebeamt worden waren und wie wir es durch den Verteidigungsgürtel um Cardassia geschafft hatten.
Ich hatte stumm auf dem Boden gesessen, um mich rum einige Kisten mit irgendwelchen Waren, meine Mutter sass neben mir und dann waren da noch andere Stimmen, ebenfalls Cardassianer, die weg wollten.
Meine Mutter zog mich zu sich heran und umarmte mich und irgendwann kamen dann auch die Tränen.

Ich weinte mehrere Tage lang, meist in einer stillen Ecke, die ich bissig verteidigte. Es war ein Platz zwischen all den Kisten, der schön dunkel war und wenig Einsicht bot. Mein kleines privates Zimmer.
Ich verschloss mich allem und jedem, ganz besonders aber der Crew, denn die gehörten den Kobali an, einer minderwertigen Spezies, die Handel mit Cardassia trieb.
Die Crew und besonders der Captain nutzten die Situation schändlich aus und bereicherten sich an unserer Not. Meine Mutter hatte ein paar Streifen latinum mitgenommen, das, was wir zu Hause hatten. Es war ein kleines Vermögen gewesen. Jedoch kosteten Duschen, Essen, Kleidung und sogar ein Platz zum Liegen Geld. Meine Mutter gab ihr Geld vor allem für mich aus, sparte sich selbst etwas, als sie merkte, dass es immer weniger und die Crew immer gieriger wurde. Zu ihrem Glück ass ich nur wenig, denn ich hatte keinen Hunger und schob ihr den Rest zu. Ich trauerte und mein Magen hatte keinen Platz für etwas anderes.
In meiner dunklen Höhle war ich allein mit meiner Angst, die nun Wirklichkeit geworden war. Mein Vater, mein Pfeiler, der Mann, zu dem ich jahrelang aufgesehen hatte, war fort und kam nie mehr wieder. Da ich wusste, zu was unser Rechtssystem in der Lage war, hoffte ich, dass er wirklich sofort durch den Blaster getötet worden war. Alles andere wäre zu grausam gewesen.

Mein Vater war bis zuletzt dem Staat loyal gewesen und hatte immer an die gute Sache geglaubt, an den sieg mit dem Dominion zusammen. Er hatte den Widerstand gehasst und die neuen Ideen, die den Geist Cardassias vergifteten. Es war eine Schande, dass man ihn nun deswegen öffentlich anprangern würde, verurteilt für etwas, was er selbst abgrundtief verachtet hatte.. Sicherlich hatte das Zentralkommando ihn töten lassen, weil er zum Orden gehört hatte. Einen anderen Grund kann ich mir nicht vorstellen.

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Beitragvon Iliana » Do 21. Dez 2017, 00:35 #8 »

2375 - 2380 / 739. - 744. Jahr der card. Union

Nichts war mehr, wie ich es gewohnt gewesen war. wir lebten wie Tiere auf dem Frachter, der uns von zu Hause weggebracht hatte, nachdem unser Geld verbraucht gewesen war. Ich hatte mich Anfang zurückgezogen, doch als es dann ums nackte Überleben ging, hielt ich mich viel öfter bei meiner Mutter auf, um sie beschützen zu können. Ich konnte selten wirklich richtig durchschlafen, denn wenn die Müdigkeit um sich schlug, witterten andere die Möglichkeit, die letzten paar Krümel, die man noch hatte, zu stehlen und für sich zu nutzen. Ich war immer im Alarmzustand, wenn meine Mutter schlief und sie, wenn ich schlafen wollte. Wir passten uns an und gestatteten uns meist nur drei Stunden Schlaf, um dann wieder ein paar Stunden funktionieren zu können, nur damit die nächsten drei Stunden wieder zum Schlafen genutzt werden konnten.
Die Not machte erfinderisch und ich nutzte meine kleinen Streiche nun nicht mehr, um mir ein wenig Freude ins Leben zu zaubern, sondern um Essen zu ergattern oder etwas frischere Kleidung.

Der erste Captain hatte uns bis zu einem Minenasteroiden mitgenommen und sich dann kurzerhand entschieden, dass wir unliebes Gesinde waren, was er loswerden musste. Also entlud er uns einfach und wir strandeten erst einmal auf diesem Dreckloch, in der Hoffnung, dass wir etwas Neues finden konnten.
"Wir dürfen hier nicht bleiben, müssen weiter." hatte ich meine mutter immer wieder sagen hören. Sie wirkte paranoid und das übertrug sich auf mich ebenfalls, auch wenn ich komischerweise mit meinen acht Jahren die ruhigere gewesen war. Wahrscheinlich war das meinem Training im Institut zu verdanken.
Wir blieben also, solange man uns duldete, in den Andockbereichen der Erzschürfstation. Hier wurde Duraniumerz abgebaut und zwar von Cardassianern. Dank des Krieges waren sie abgeschnitten von Cardassia Prime und die Informationen über diverse gesuchte Flüchtlinge sickerten wohl nur langsam durch. Wir sahen aber wahrscheinlich auch so dreckig aus, dass sich kein anständiger Cardassianer überhaupt mit uns beschäftigen wollte. Schliesslich waren wir immer zur Sauberkeit erzogen worden.

Während meine Mutter sich immer versteckt hielt, besorgte ich Nahrung. Als kleines Mädchen war das gar nicht mal so schwierig. Ich schlüpfte zwischen den Arbeitern umher und stahl mal hier und mal dort etwas von ihren Tellern, oder machte bei einem der Nahrungsverteiler grosse, tränenreiche Augen, sodass er mir auch einmal ein bisschen was von der Suppe abgab. Ich brachte dann immer das Essen meiner Mutter vorbei.
Wochenlang dockte kein Schiff an, welches uns mitnehmen wollte, auch wenn meiner Mutter anbot, dass sie doch die Bereiche von Schmutz sauber halten könne und das eben nur für etwas Nahrung, Wasser und ein bisschen Kleidung.
Meine eigene Kleidung sah nach ein paar Wochen so aus, wie die der anderen Arbeiter hier, die grösstenteils Strafgefangene waren. Ich lief barfuss über den Stein, der manchmal mir ins Fleisch schnitt, denn meine Schuhe hatte mir jemand geklaut, bevor wir hier abgesetzt worden waren.
Da nichts in Aussicht war und ich auch ein paar Mal erwischt worden war, teilte man mich ebenfalls zur Arbeit mit ein. Ich schleppte die abgetragenen Erze in die Loren und kroch in kleine Ritzen, die man in den Stein gesprengt hatte, um zu sehen, ob dort ein Abbau lohnte, oder nicht. Ich war ziemlich nützlich, fand ich zumindest. Und es gab etwas mehr Essen, als das, was ich sonst immer stibitzt hatte. Als Dieb taugte ich wohl doch nicht so viel, als als jemand, der ehrliche und auch dreckige Arbeit übernehmen konnte.

Ein Frachter, der einiges des Erzes verkaufen sollte, nahm uns zwei Monate später auf und wir traten die Reise weiter an. Von einem der Aufsehen konnte ich bei Abflug noch erhaschen, dass auf Cardassia wohl gerade die Hölle los war. Der Widerstand soll sich mit dem Dominion prügeln. Ich hatte interessiert zugehört, bis man mich kleine Laus weggescheucht hatte. Die Information gab ich meiner Mutter weiter und sie wurde traurig. Es erinnerte sie wieder an den Mord an meinem Vater und sie nahm mich in den Arm und weinte. Ich war leider zu der Zeit gefühlsmässig in keiner guten Lage und stand einfach nur da, ohne Tränen, ohne wirkliche Gefühle, die ich zum Ausdruck bringen konnte.

Der Frachter, der das Erz hier und da verkaufen wollte, war unsere nächste Heimat, auch wenn ich ihn nie als solche empfand. Wir durften arbeiten und bekamen dafür etwas Essen und sogar neue Kleidung und Schuhe. Das war für mich wie an meinem Geburtstag. Die Schuhe waren etwas zu gross und die Kleidung ein wenig zu kurz an den Armen,aber das war mir da egal. Zu essen gab es natürlich nichts cardassianisches, denn der Frachtercaptain war ein Mensch, der mit uns etwas Mitleid hatte. Ich durfte sogar ab und an auf die Brücke kommen. Er war die erste, freundliche Seele, der ich begegnet war, seit wir geflüchtet waren. Vor ihm wurden wir nicht wie absoluter Dreck behandelt, von seiner Crew, die ein Mix verschiedener Rassen waren, durchaus schon. Ein abtrünniger Romulaner beachtete mich meist nicht und trat mich auch schon einmal, wenn ich nicht gleich aus dem Weg sprang. Ein Ferengi, der wer weiss was auf diesem Schiff für Profit suchte, scheuchte mich dauernd herum, die einen unlieben Köter und meckerte dauernd, wenn ich irgendwas in seinen Augen wieder nicht richtig gemacht hatte. Wahrscheinlich konnte er so sein eigenes, erbärmliches Leben besser verdauen. Er zischte mich dauernd an und ich zischte manchmal zurück.
Einmal wollte er mir eine Ohrfeige verpassen, da landeten meine Zähne in seinem Fleisch und ich biss zu, bis Blut kam. Er hatte mich verflucht und beim Captain angeschwärzt, weswegen ich dann den Boden mit einer Zahnbürste schrubben durfte und von einem Klingonen beaufsichtigt wurde, der das wohl auch eher als Zeitverschwendung sah und lieber irgendwo jemandem die Fresse poliert hätte, statt auf ein Kind aufzupassen.
Ich machte dann mir einen Spass draus und als ich fertig war, schrie ich voller Inbrunst Quapla! Das war von dem Klingonen dann mit einem fiesen Blick quittiert worden.

Meine Aufgaben, neben Reinigen des Schiffes mit einer grossen Bürste oder eben der kleinen, die normalerweise für die Zähne gedacht war, waren das Wegtragen der Kleidung, damit sie meine Mutter waschen konnte, das überreichen von bestelltem Essen, damit die Crew schön sitzen bleiben konnte und beim Einladen von neuen Waren helfen, sofern ich das tragen konnte.
Wir lebten ein halbes Jahr auf diesem Frachter, der grösstenteils durch Föderationsgebiet flog, doch dann wollte er in klingonischen und cardassianischen Raum zurückkehren, sodass wir uns etwas anderes suchen mussten.

Als nächstes hatten wir das Pech, dass wir einen klingonischen Transporter besuchen durften. Dort stank es und die Sitten waren rau. Ausserdem weiss ich nicht, wie oft ich dort Ptach gehört habe in unterschiedlichsten Tonlagen, mal mit Spucke oder wahlweise auch Rotze, Essensresten oder Blutwein. Ausserdem war das Essen verdammt gewöhnungsbedürftig, ungefähr so lecker, wie Taspareier im rohen Zustand. Ich ass erst eine Zeit lang nichts, weil es mich davor ekelte, aber der Hunger treibt es rein, oder so ähnlich. Vor allem, wenn Gach und Co nicht gerade frisch ist, was auf einem langen Transporterflug leider oft vor kommt, wird einem schlecht davon . Klingonische Mägen halten das wahrscheinlich aus, ich wurde zur Lachnummer, da ich oftmals den Boden mit meinem Mageninhalt verzierte und das dann wegwischen durfte...mit blossen Händen.
Sie handelten mit allem möglichen, vor allem Waffen und irgendwelchem anderen Schrott, auch cardassianische Trümmerteile.
Sie liessen auch keine Minute aus, um uns merken zu lassen, dass der Dominionkrieg eine dumme Idee von uns gewesen war und berichteten und grölend davon, wie es nun um Cardassia stand. Ich war schockiert, als ich von den vielen Toten und der Zerstörung hörte. Die Cardassianer seien ein aussterbendes Völkchen. Oh, was hatte ich diese Klingonen gehasst.

So ging es eine Zeit lang weiter. Wir wechselten immer wieder Frachter, blieben auf dem einen oder anderen Aussenposten oder Planeten ein paar Wochen hängen, um dann wieder weiter zu ziehen. Ich sah eine Schrottlaube und Slum nach dem nächsten und lernte manche Personen kurz schätzen, andere dafür hassen. Je grösser ich wurde, umso mehr nutzte ich mein Strategementraining aus, um meine Mutter zu beschützen, denn es gab auch Leute, die sie entweder verprügeln, oder gar vergewaltigen wollten. Letzteren zwischen die Beine zu treten und zwar kräftig, sodass es ein herzerweichendes, kräftiges Knacken gab, war dann stets eine echte Wohltat.

Ich war noch nicht ganz 13 Jahre alt, wir waren auf einem Personentransportschiff, welches längere Strecken zurücklegte, als Diener dabei, da nahm mich eine junge Menschenfrau bei Seite und fragte mich, wo ich her kam.
Ich sagte leicht zögerlich: "Cardassia!"
Ihr Blick war etwas trauriger geworden, doch sie wollte sich mit mir weiter unterhalten und erzählte mir davon, was auf Cardassia so geschehen sei. Die Föderation hatte ihre Hilfe angeboten und Cardassia hatte es angenommen. Ich erinnerte mich an die Föderation, die mir schon einmal etwas gutes getan hatte, nämlich dass mein Vater mehr Beschäftigung in der Heimat, statt auf Terok Nor und Bajor, gefunden hatte, als ich noch sehr klein war.
"Eure Situation ist sicherlich nicht sonderlich schön, auch wenn ihr wahrscheinlich froh seid, nicht die Probleme mitmachen zu müssen, die auf eurer Heimatwelt so herrschen. Aber sicherlich sind beide Leben nicht sonderlich angenehm, oder?"
Ich nickte.
"Du siehst sicher wenige freundliche Leute, oder?"
Ich nickte abermals. Die Frau hatte eine sehr freundliche Ausstrahlung und war auf eine gewisse Art auch unheimlich. Sie liess mich alle Vorsicht verlieren und brav antworten. So, als wenn sie genau wusste, was sie für Fragen stellen musste.
"Weisst du was? Ich würde an eurer Stelle versuchen Asyl bei der Föderation zu beantragen. Das klappt oftmals. Dann würdet ihr sicherlich ein schöneres Leben führen können, als auf solch einem Schiff. Das ist doch kein Leben für ein Kind."
Ich verstand nicht, was Asyl war und was mir das bringen sollte. Aber was die Frau sprach, klang so aufmunternd. Sie gab mir sogar ein Padd heraus und reichte es mir. Ich sollte es meiner Mutter geben.
Ich bedankte mich und hütete es während meiner Schicht wie einen wertvollen Schatz.

Später fand ich übrigens heraus, dass diese Frau direkt jemand gewesen war, der mit Asylanträgen zu tun hatte, aber eben irgendwo schon Termine gehabt hatte und uns deswegen nur mit dem Padd helfen konnte. Ansonsten hätte sie womöglich meine Mutter dazu gedrängt.
Als ich es meiner mutter zeigte, legte sie es weg und meinte, das sei nichts für uns. Doch ich nahm es wieder an mich und probierte es immer wieder, fast jeden Tag. Ich wollte, dass wir wieder ein vernünftigeres Leben führen konnten. Während dieser Zeit versuchte ich Informationen zu bekommen, indem ich die anderen der Crew aushorchte und puzzelte mir dann meine und sogar ziemlich treffende Version von Asyl zusammen. Das war einfach besser, als dieses Leben auf den Frachtern.

Irgendwann hatte ich meine Mutter dann so weit, dass sie zustimmte und auf einem weiteren Aussenposten nahmen wir Kontakt auf und reichten die Unterlagen ein.
Und dann dauerte es noch einmal ein ganzes Jahr, welches wir dann auf diesem Posten vergeudeten, ehe wir eine positive Nachricht bekamen. In der Zwischenzeit hatten wir uns versucht irgendwie nützlich zu machen, auch um zu beweisen, dass wir hart arbeiten konnten, wenn nötig.

Ein gewisses Samuel Hollens kam auf uns zu und führte uns in einen privaten Raum, in dem meine Mutter und ich uns richtig komisch vor kamen. Wir hatten beide noch nie in solch einem Konferenzraum mit einem so langen Tisch gesessen, der einen wegen seiner Grösse fast erschlug und dessen Leere so unheimlich war, als würde sie einen verschlingen wollen. Die Stille war ausserdem ziemlich unheimlich, denn es drangen kaum Geräusche hinein. Unsere Zeit auf den Frachtern war laut gewesen. Man hatte kaum ruhige Minuten gehabt.

Er prüfte scheinbar endlos unseren Antrag, obwohl das gar nicht so viele Seiten gewesen waren. Er hatte sehr viele Fragen, die meine Mutter ihm beantwortet. Es ging unter anderem darum, was wir wollen und wieso wir geflüchtet waren. Als meine Mutter ihm die Geschichte erzählte, und zwar die Wahrheit, denn sie war nicht ausgebildet gewesen, etwas anderes zu tun, hörte er sehr aufmerksam zu und meinte dann:
"Nun, das ist natürlich nicht sonderlich gut. Da müssen wir Vorkehrungen treffen."
Wir ahnten, dass es damit wohl das Aus für den Antrag war und wir eventuell sogar zurück nach Cardassia mussten.
"Dann sollten wir etwas wegen dem Nachnamen unternehmen. Ich werde veranlassen, dass sie eine neue Identität erhalten, einen Decknamen. Damit im schlimmsten Fall ihnen kein Leid geschieht. Man weiss schliesslich nicht, wie die neue Regierung darauf reagieren wird. Ich werde dann also alles vorbereiten und brauche dann nur noch ihre Bestätigung. Ich melde mich bei ihnen wieder ... in ein paar Tagen."

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Beitragvon Iliana » Do 21. Dez 2017, 03:25 #9 »

2380 / 744. Jahr der card. Union

Tatsächlich, ein paar Tage später erhielten wir die Nachricht, dass wir uns in Konferenzraum 2 einfinden sollten, da uns Samuel Hollens erneut sprechen wollte.
Er hatte gute Nachrichten, denn unserem Antrag wurde vollends statt gegeben, auch weil wir quasi politische Flüchtlinge seien und uns wurde ein kleines Plätzchen auf einen unwichtigen Agrarplaneten der Föderaton, fernab vom cardassianischen Raum versprochen.

Wir sollten in fünf Tagen aufbrechen und es würde mehrere Tage dauern, bis wir den Planeten erreichen würden. Ich war glücklich, dass wir endlich wieder längere Zeit irgendwo verbringen konnten und dass wir sogar ein Haus erhalten würden und etwas finanzielle Hilfe für den Anfang, damit wir dann unsere eigenen Erzeugnisse produzieren konnten. Meine Mutter wollte ein Feld bestellen und einige Dinge anpflanzen, vielleicht sogar cardassianisches Gemüse, falls der Boden dafür geeignet wäre. Sie würde damit eine ältere Familientradition wieder aufleben lassen, denn ihre Grosseltern hatten einen recht fruchtbaren Garten mit eigenem Gemüse. Deswegen hatte sie wohl auch Gärten so sehr geliebt. ich sah das eher kritisch, verstand aber, dass wir nicht dauernd nur vom Geld der Föderation leben konnten.
Ich war 14 Jahre alt und erkundigte mich, ob es möglich war, wieder etwas mehr lernen zu können und man bot mir an, dass ich einen Lehrer bekommen sollte, der einmal die Woche Lektionen abfragen würde. Den Rest müsse ich mir aber selbst erarbeiten oder dort zur Schule gehen.

Als wir den Planeten erreichten, regnete es gerade. Der Boden war matschig, richtige Strassen gab es keine. Hier und da standen vereinzelt ein paar Baracken. Häuser konnte man sie nicht wirklich nennen. Sie bestanden hauptsächlich aus Bauteilen von Schiffen. Es war eine ziemlich armselige Ansammlung, was sich Siedlung nannte. Aber es war um einiges besser, als gar nichts.
Als wir über den mickrigen Platz der Siedlung liefen, um ein kleines Shuttle zu besteigen, welches uns dann zu unserm Haus bringen sollte, beäugten und die Siedler, hauptsächlich Menschen, mit Argwohn und Abscheu. Ich kannte die Blicke zu gut, hatte ich sie in den letzten fünf Jahren doch so oft bei unterschiedlichen Völkern gesehen. Wir waren also hier eigentlich auch nicht willkommen. Wie hätte es auch anders sein sollen. Wahrscheinlich kannten hier alle auch nur die Darstellung der Cardassianer als Monster und Kriegstreiber.
Ich wusste vom ersten Tag an, dass ich hier nicht zur Schule gehen wollte.

Unser Häuschen war ein halbrundes Blechhaus. Die Front stellte eine senkrecht stehende Metallwand dar und besass eine Tür und ein paar Bullaugenfenster. Die Tür war oben abgerundet und sah aus, als wenn sie aus Wellblech gefertigt war. Sie war aber etwas stabiler.
Das Dach zog sich in einem grossen Bogen nach hinten weg und hatte zwei Oberlichter, die Seiten waren auch gerade und hatten keine Fenster. An der Rückseite des Hauses verlief das Dach nicht überall gleich. Es gab eine Stelle, die ebenfalls ab einer bestimmten Höhe wieder senkrecht verlief und ein komplettes Fenster aufwies, Panorama nannte man es. Dieses Panorama hatte eine Tür, die nach hinten raus ging und die ebenfalls aus durchsichtigem Material bestand.

Hinter dem Haus war ein Feld, welches für anständigen Ackerbau reichen sollte. Am Haus gab es noch einen kleinen Verschlag, welcher als Schuppen für Geräte diente, nichts modernes, nur traditionelle Arbeitsgeräte, von denen ich einige noch nie gesehen hatte.

In unserem Haus hatten wir alles, was wir zum Leben brauchten, in minimaler Ausstattung. Ich hatte einen eigenen Computer, mit dem ich meine Schule absolvieren durfte und ein weiterer war im Wohnbereich, zum Verfolgen von Nachrichten oder für die Kommunikation. Ansonsten hatten wir noch eine Schalldusche und ein extra für uns eingebautes Heizsystem, welches auf 36 Grad eingestellt war. Ansonsten war das haus allerdings sehr leer und wir mussten uns selbst die Dinge kaufen, die wir benötigten, oder selbst herstellen. Wir hatten zwar einen Replikator, aber sehr begrenzte Rationen. Ausserdem war es ein sehr altes Modell, ungefähr so alt, wie ich und er hatte oft Macken.

Meine Mutter hatte ein paar Samen und Setzlinge bekommen, mit denen sie arbeiten konnte, allerdings nur weniges, was wir von Cardassia kannten, sondern etwas wie Möhren, Süsskartoffeln, richtige Kartoffeln, Rettich, Rüben und Weizen. Es waren vor allem Sorten von der Erde, die hier in der Erde besser gedeihen sollten. Trotzdem hatten wir noch ein paar Setzlinge von Nattak, einem Wurzelgemüse aus der Region nahe Lakarian City und wir hatten Yamok, aus dem wir Yamoksauce zaubern konnten, wenn wir es wollten. Ausserdem standen hinter unserem Haus noch drei Bäume mit seltsamen Früchten daran, deren Name "Apfel" war, eine robuste Sorte, die aber viele Früchte trug und sehr sauer war.

Meine Mutter beschäftigte sich ziemlich schnell mit nichts anderem, als dem Erlenen der Grundlagen für den Ackerbau und die Sorten an Obst und Gemüse, die wir hatten. Fleisch mussten wir replizieren oder kaufen, denn jagen durfte man hier nicht, da der Planet wenigen Tieren eine Heimat bot. Gut war das natürlich für den Acker, konnte ihn auch kein Tier zerstören. Die einzigen Tiere, die sich nicht daran hielten, waren Schnecken, die ich noch nie so gross gesehen hatte, wir dort. Wir legten eine Salzspur, um sie fernzuhalten.

Ich half, neben dem Lernen - und ich hatte verdammt viel nachzuholen - meiner Mutter bei der Gartenarbeit, auch wenn ich es hasste. Ich mochte es nicht im Dreck zu graben und die Pflanzen einzusetzen, zu düngen und dann Ewigkeiten zu warten, bis man sie endlich abernten durfte. Ich mochte es nicht, sie abzuernten und dafür fast immer mich bücken zu müssen. Diese Arbeit war so erniedrigend, vor allem, wenn man sie nicht gern machte. Doch wir brauchten etwas zu essen und ich wollte nicht, dass meine Mutter sich alleine abrackern musste. Also half ich ihr und verdiente mir so das Essen, was auf dem Tisch stand.

Wenn wir einkaufen mussten, oder ich etwas Zusatzstoff für die Schule wollte, dann mussten wir uns den Einwohnern der Siedlung zeigen. Wir liefen den langen Weg immer bis zur Siedlung, kauften ein, meist zu etwas überteuerten Preisen, da man und nicht traute und das auch zeigen wollte und gingen dann wieder heim. Wir mochten nicht all zu viel Kontakt mit den Einheimischen haben, denn sie mochten uns nicht und wir wollten grössere Probleme vermeiden. Ausserdem hatten sie Lebensweisen, die wir nicht verstanden. Auch deren Feste feierten wir nicht mit. Im Nachhinein muss ich gestehen, dass ich es etwas schade finde. Vielleicht hätte ich dadurch die Menschen etwas besser verstanden, von Anfang an und dann später nicht solche Probleme bekommen.

Unser cardassianisches Wurzelgemüse wollte den Boden nicht richtig annehmen, aber Yamok wuchs gut. Wir machten eine gute Sosse daraus, die wir sogar an Händler weiterverkaufen konnten. Ich informierte mich immer wieder über die Lage von Cardassia und hoffte, dass die Yamoksosse, die wir zu einem sehr kleinen Preis verkauften und das auch nur an ausgesuchte Händler, vielleicht bis nach Cardassia kam, sodass wir wenigstens aus der Ferne noch etwas für unsere Welt tun konnten.
Wir vermissten es beide, denn hier auf diesem Planeten konnten wir zwar leben, aber es war nicht das Gleiche. Es war nur in einigen Monaten so warm, wie auf Cardassia in den kältesten Tagen und der Winter war schrecklich. Ich blieb dann fast die ganze Zeit drinnen und wir nutzten den Replikator. Es fiel sogar sehr merkwürdiges, weisses Zeug da draussen, was unser Feld bedeckte, was die Menschen Schnee nannten. Wenn er in die Schuhe kroch und dann schmolz, wurde alles richtig eklig nass und extrem kalt. Das hasste ich an diesem Winter am meisten.

Der Frühling war allerdings eine wundervolle Zeit. Alles blühte und man konnte richtig sehen, wie das Leben sich nach dieser Kälte wieder aus dem Boden Streckte und die Sonne willkommen hiess. Obwohl es für mich zu kalt war, war ich viel mit meinem Lernmaterial oder meinem Block draussen und zeichnete. Ich machte viele Studien zu den einzelnen Pflanzen und zeichnete sogar eine Schneckenfamilie, die während einer Beobachtung über den Weg kroch. Die Schnecken hatten hier auf dem Planeten so eine Art Sozialgefüge und wachten über ihre Eiablage. Danach zogen sie mit ihren Kindern, die eigentlich schon alleine lebensfähig waren, zusammen los, um sie noch vor Fressfeinden zu schützen. Sie sonderten einen ekelerregenden Schleim ab, der leicht ätzend war und konnten das Zeug einem sogar in die Augen spritzen, wenn sie sich bedroht fühlten. Gut, dass wir sie nie von unserm Feld versucht hatten zu vertreiben.

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In der ersten Zeit versuchte ich diesen Planeten zu mögen, der Frühling machte es mir leichter und der kurze Sommer noch mehr. Allerdings war es ein langweiliges Leben, von dem jeder Tag fast wie der andere war. Es waren Kleinigkeiten, die anders abliefen, aber Spannung, irgendwas aufregendes geschah die ganze Zeit nicht. Das einzige Spannende in der Anfangszeit war herauszufinden, was bei einem erneuten Besuch in der Siedlung auf uns so warten würde. Manchmal liessen sich die Kinder recht kreative Sachen einfallen, um uns zu verärgern. Vogelscheuchen, die aufgeklebte Löffel auf der Stirn hatten und solche Scherze waren harmlos, machten uns das Eingewöhnen aber leider auch nicht einfacher. Meine Mutter war an solchen tagen meist sehr schwermütig.

Wir mussten es aber akzeptieren oder wären wieder heimatlos. Also lernten wir es auf Dauer zu ignorieren.

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Beitragvon Iliana » Fr 22. Dez 2017, 15:10 #10 »

2382 / 746. Jahr der card. Union

Nach ungefähr zwei Jahren auf dem Planeten und seiner Abgeschiedenheit und Stille, der Trostlosigkeit die er verströmte und die Schwermut brachte, bekam ich einen Käfigkoller. Wie ein wildes Tier, welches eingesperrt immer an den Gitterstäben entlang läuft, weil es nicht zu tun bekommt und der Raum sich beengt anfühlt, obwohl es doch die Freiheit geniessen wollte. So fühlte ich mich.
Meine Mutter hatte sich mit dem Leben abgefunden, aber sie liebte ja auch die Feldarbeit und war stolz auf ihre Ernte. Sie hatte in der Zeit sogar mit mir einen Stall gebaut, in dem wir Federvieh hielten. So hatten wir für später Fleisch und Eier und wurden langsam zu echten Selbstversorgern.

Ich hätte es wirklich dort aushalten können, wenn ich nicht so sehr Aktivitäten liebte. Ich unternahm ein paar längere Wanderungen, um mich etwas freier zu fühlen, verbrachte den Sommer oftmals komplett unter freiem Himmel, um den Sternen näher zu sein und um mich herum lagen sehr oft entweder meine Zeichnungen oder die Arbeit für die Schule.

Die Schule der Föderation war schon sehr amüsant. Mein Lehrer hatte zu Beginn mir alles mitgeteilt, was mir fehlen würde und ich sollte einen Leistungstest absolvieren. Natürlich versagte ich bei den meisten Themen völlig, die auch nur im Entferntesten mit Völkern der Föderation und ihren Geschichten zu tun hatten. Auch konnte ich herzlich wenig mit menschlichen und vulkanischen Schriften anfangen oder klingonischen Opern.
Als ich die Auswertung meines Tests erhalten hatte, war bei Völkerkunde so viel rot angestrichen, dass eigentlich der ganze Text ersetzt gehörte. Lediglich die von mir aufgeführten Schwächen, die für Verhöre und dergleichen wichtig waren, hatten grüne Kommentare dazu und waren somit richtig. Allerdings teilten mir die Anmerkungen mit, dass ich einiges davon niemals wieder in einem Text in Völkerkunde schreiben sollte. Ich nahm es so hin.

Leider waren cardassianische Schriften nicht im Lehrplan, sondern die Schrift der Menschen. Da sie ebenfalls im Alphaquadrant heimisch gewesen waren, hatten wir damals in der Schule eine Zusatzlektion über ihr Schriftsystem und ich kannte das Alphabet schon. Weitere Dinge dazu hätte ich mit 9 bis 12 Jahren gelernt, aber so weit war ich nicht gekommen. Mein Lehrmaterial war also das, was Kinder der Föderation mit sechs Jahren bekommen und was süsse kleine Bildchen hatte. Ein wenig peinlich war das schon und ich amüsierte mich über den kindlichen Umgang beim Lernen. So etwas hatte es auf Cardassia im Kleinkindalter gegeben, nicht auf den Schulen. Das Material musste nicht anschaulich dargebracht werden, damit wir es lernten. Es sollte keinen Spass machen, sondern effizient sein.

Ich hatte diese Materialien schnell satt, da sie mich relativ langsam weiter brachten und ich nahm mir Lehrmittel für Erwachsene vor, um die Sprache zu lernen. Das war um einiges effektiver. Ich merkte dies dann bei meinem Lehrer, der sich jede Woche meldete, an und wir erarbeiteten einen besseren Lehrplan. Mein Lehrer meinte, dass es eine Menge Arbeit für mich wäre, jedoch brach ich seinen Monolog darüber schnell ab und sagte, dass ich gerne lerne und ich mich der Herausforderung stellen will.
Also holte ich Stoff nach, den Schüler in meinem Alter schon längst beherrschten. ich stand früh auf und ging spät ins Bett. Dazwischen war trotzdem noch Zeit, um bei der Feldarbeit zu helfen, den Hühnerstall auszumisten und ein bis zwei Skizzen zu schaffen. Ich hatte alles durchgeplant und manche Dinge tat ich zeitgleich. Während ich zum Beispiel rechnete, lernte ich die Aussprache von Wörtern in der Basissprache der Föderation. Ich hörte eine klingonische Oper während der Feldarbeit und interpretierte sie danach schriftlich oder ich lauschte den Warptheorien,während ich das Futter den Hühnern reichte. Nur bei meinem Strategementraining herrschte nebenher wirklich Stille und reine Konzentriertheit nur darauf.

Ich war also wirklich viel beschäftigt und trotzdem fühlte ich mich immer wieder leer und fehl am Platze.

Ende des zweiten Jahres suchte ich nach Informationen zur Föderation für einen Aufsatz. Ich musste ihn in zwei Tagen fertig haben und brauchte noch ein paar Quellen, um einige Aussagen belegen zu können. Es waren auch welche zur Sternenflotte dabei. Ich hatte Anfangs immer den Verdacht gehabt, dass zur Sternenflotte nur Föderationsmitglieder beitreten konnten, doch im Kleingedruckten stand etwas anderes. Mit einer Empfehlung würden auch Angehörige von Nichtmitgliedsstaaten die Aufnahmeprüfung versuchen dürfen. Allerdings waren die Kriterien sehr hochgesteckt.

Ich las die ganzen Anforderungen mehrmals durch, beendete dann erst einmal meinen Aufsatz und legte mir dann einiges zurecht, was ich meinen Lehrer fragen wollte.

Zwei Tage später meldete sich mein Comlink und mein Dozent Karuus Rabakk, ein Mensch von einem nahen Aussenposten, der dort eine Schule betrieb und selbst einmal von Alpha Centauri stammte, war bereit, sich meine Arbeiten anzuschauen. Ich übermittelte ihm die Daten und wir gingen erst einmal den neuen Stoff durch.

"Ich bin immer wieder überrascht, wie schnell du den Stoff nachholen kannst. Das nenne ich Disziplin." meinte er und ich lächelte. Er war einer der wenigen, die das wirklich anerkannten. Er war aber auch der Einzige, mit dem ich regelmässig Kontakt hatte, ausser meiner Mutter.
"Hast du noch zusätzlich ein Buch gelesen? Du solltest ja noch etwas schwere Texte versuchen."
So schwer war die Föderationsbasic nun nicht und ich verdrehte die Augen. "Ja, auch wenn ich es nicht für all zu nötig erachte."
Wir sprachen mittlerweile die ganze Zeit ohne Universalübersetzer.
"Ich habe mich ein wenig in die Bücher eines gewissen Sir Arthur Conan Doyle verliebt."
Der Lehrer schien doch stark überrascht zu sein. "Magst du Kriminalgeschichten?"
Ich nickte. "Ja, die Hauptfigur ist sehr interessant, wie er auf seine Schlussfolgerungen kommt."
"Sehr gut." kommentierte er und tippte etwas auf einem Pad herum. "Bisher sind deine besten Fächer..oh, Wissenschaften liegen etwas weiter hinten, Berechnungen und Sprachen scheinen dir zu liegen. Bei der Völkerkunde hast du mittlerweile auch den Dreh raus und bezeichnest nicht mehr alle als minderwertig. Bist du davon auch überzeugt, oder schreibst du in deinen Aufsätzen nur das, was ich von dir hören will?"
Ich musste etwas grinsen. Da hatte er mich ertappt, denn ich konnte die alte Haut so schlecht abstreifen, gerade bei dem Thema.
"Nun, ich habe da das Problem, dass ich bisher kaum andere Spezies so direkt erlebt habe und Vorurteile , wie sie das nennen, lassen sich doch schwer abschütteln, wenn man es nicht anders erlebt, oder? Um ehrlich zu sein, würde ich dahingehend auch gern meinen Horizont erweitern, eines Tages. Aber im Moment kann ich nur ihren Rat befolgen und einfach die Fakten schreiben, ohne wirklich eigene Meinung und wenn ich doch eine Meinung abgeben muss, dann denke ich mir eine aus. Eine, die gut passt für das Schulsystem der Föderation."
Mein Lehrer seufzte und schüttelte mit dem Kopf. "Iliana. Du machst es mir da wirklich nicht einfach."
Ich lächelte nur und spielte etwas leicht verlegen.
"Ich habe dir deine neuen Aufgaben zukommen lassen. Die Auswertung deines Aufsatzes und deiner Matheaufgaben, sowie die Arbeit über Quantenmechanik werde ich dir dann im Laufe der Woche zukommen lassen. Wie immer."
Ich nickte und nahm die neuen Aufgaben an. Ich sollte ein Gedicht schreiben. Sehr interessant und ich musste bei der Anmerkung dahinter leicht lachen. Kein cardassianisches Gedicht.
Ausserdem sollte ich mich mit der Geschichte der bajoranischen Besetzung auseinandersetzen. Was für ein tolles Thema für einen Cardassianer.
Und es stand noch ein wenig Xenologie auf dem Plan und ein Technikprojekt.
Zu guter Letzt war noch mein am meisten verhasstes Thema dabei, Theologie. Ich konnte damit so rein gar nichts anfangen, denn als Cardassianer lernt man schon früh, dass Glaube an Götter Humbug und Zeitverschwendung ist und dass Glück nichts weiter als Können und Stärke darstellt.
Als Unterricht und Aufgabenverteilung vorbei waren, traute ich mich, endlich das Thema anzusprechen, was mich interessierte. Die Sternenflotte.

„Ich habe während meiner Nachforschungen entdeckt, dass auch Nichtföderationsmitglieder durchaus bei der Sternenflotte arbeiten können.“
Mein Lehrer prustete erst einmal die Hälfte seines Tees, den er üblicherweise während unserer Gespräche trank, auf den Bildschirm und wischte ihn weg, während er sprach.
„Äh ja, das ist möglich. Ich nehme an, du fragst, weil du gern dort hin möchtest?“ er hatte mich gut genug in den zwei Jahren kennen gelernt. Ich nickte trotzdem noch einmal bestätigend.
„Iliana, du bist noch nicht so weit und ich denke, die Sternenflotte auch nicht. Wir können aber versuchen den Lernstoff darauf auszuweiten, sodass du dich schon darauf vorbereiten kannst.“ Ich lächelte breit, was er deutlich verstand und mir dann auch gleich ein gehöriges „ABER“ aufdrückte.
Das Prozedere ist nicht einfach. Du musst nicht nur viel lernen, was du...keine Frage... sicherlich schaffen wirst, sondern du musst auch eine Empfehlung von jemandem haben, der einen hohen Rang in der Sternenflotte begleitet. Das dürfte dein grösstes Problem werden.“

Nach dem Gespräch hatte ich mich elend gefühlt, denn die Tatsache, dass ich eine Empfehlung brauchte, machte mir Kopfzerbrechen. Als Cardassianer auf einem Haufen Dreck und Schnecken solch etwas zu erhalten war doch schier unmöglich. Ich war so verzweifelt, dass mir tagelang nicht einfiel, dass ich doch jemanden fragen konnte.

Zwei Wochen später erreichte ich unseren Kontaktmann für Asylangelegenheiten und wir sprachen miteinander. Auch er war der Meinung, dass es noch zu früh sei, Vorbereitungen aber stets eine gute Idee waren. Er fand es interessant, dass ich mich dafür interessierte und fragte mich auch wegen meiner Beweggründe. Er akzeptierte sie und bedauerte, dass es mir auf dem Planeten nicht gefiel. Allerdings meinte er auch, dass mir wahrscheinlich die Akademie noch weniger gefallen würde.

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Beitragvon Iliana » Sa 23. Dez 2017, 23:33 #11 »

2385 / 749. Jahr der Card. Union

Ich war seit zwei Jahren vollkommen erwachsen, zumindest nach cardassianischen Massstäben und für die Menschen nun endlich auch. Meinen Schulstoff hatte ich nachgeholt und konnte das vorletzte viertel Jahr sogar einigen Zusatzstudien widmen.
Ich hatte mich etwas in der Prosa verloren und studierte andere Schriftstücke anderer Kulturen. Das war für mich die beste Möglichkeit, um etwas mehr über die anderen Völker kennen zu lernen, ohne selbst viel Kontakt mit ihnen zu pflegen.
Die anderen drei Monate verbrachte ich damit, meinen Stoff für die Aufnahmeprüfung der Sternenflotte noch einmal nachzuholen und zu üben. Schliesslich sollte alles sitzen, falls ich doch endlich dazu freigegeben wurde.

Seit zwei Jahren hatte mein Kontakt, Mr. Hollens, versucht, etwas mehr Einsicht in die Sachlage zu bekommen. Es gab wohl einige diplomatische Hürden, die da zusätzlich zu meistern waren, denn Bajoraner waren nicht damit einverstanden, dass nun Cardassianer auch eine Möglichkeit dazu erhalten sollten und auch viele der anderen Völker waren sich uneins. Manchmal hatte ich all die Jahre echt das Gefühl, wir seien die Teufel des Alphaquadranten, obwohl es viel schlimmere Probleme gab, als uns. Gut, einige cardassianische Piraten, die verstreut hier und da agierten, machten vor allem vielen Frachtern das Leben schwer, aber das war doch nicht Cardassias Schuld. Auch die Anschläge von terroristisch organisierten Truppen waren Einzelfälle einzelner unzufriedener Bürger und sicher nicht im Auftrag der Regierung geschehen. Nur leider fiel das immer auf uns zurück und somit auch auf mich.

Letztes Jahr war ein ehemaliger Bürger aus unserer Siedlung in einem Kampf mit ein paar dieser Piraten verwickelt gewesen, als er auf einem Frachter Dienst tat. Und uns verweigerte man monatelang den Kauf von Gütern, schmierte unser Haus an und bewarf uns mit einer Vielzahl sehr kreativen Beleidigungen.
Die Lust von hier fortzugehen und es diesen Bauerntölpeln zu zeigen, indem ich mit einer Sternenflottenuniform und vielleicht einem eigenen Schiff zurück kam, wuchs mit jedem Jahr mehr und mehr an und so war es nicht verwunderlich, dass ich bei der Vorbereitung darauf keine Freizeit zuliess und lernte, bis ich todmüde ins Bett fiel.

Mein Comlink piepste eines Tages und ich wunderte mich, denn ich hatte keine Nachrichten erwartet. Die Schule war auch erst in drei Tagen. Als ich Samuel Hollens sah, wusste ich, dass es entweder was mit unserem Asyl, oder mit der Akademie zu tun haben musste. Letzteres war der Fall.
"Iliana, ich darf dir die freudige Nachricht überbringen, dass du zur Prüfung antreten darfst. Die Verantwortlichen möchten überprüfen, ob du dafür geeignet bist, oder nicht."
Ich freute mich, bekam aber, wie üblich, auch wieder einen Dämpfer.
"Das heisst noch nicht, dass du aufgenommen wirst. Ich kann mir sogar vorstellen, dass du um deinen Platz dort kämpfen musst und einen langen Atem brauchen wirst. Vielleicht kommst du auch auf eine Warteliste. Viele wollen zur Sternenflotte. Die Plätze sind begrenzt."
Ich nickte und verstand das. Bei bestandener Prüfung könnte ich mit einer Warteliste durchaus leben. Das würde ja dann bedeuten, dass ich ein oder zwei Jahre später garantiert aufgenommen werden würde.

Er schickte mir die Unterlagen zu, die ich für die Prüfung benötigen würde und teilte mir mit, dass ich in einem Monat schon zu der Vorbereitungsphase für die Prüfungen erscheinen sollte. Auf Relva VII sollten Spezialtraining und Prüfung statt finden, ein Planet, der recht weit entfernt lag. Ich bekam zudem Reiseunterlagen, damit ich es auch bis zu diesem Planeten schaffen würde und Samuel Hollens wünschte mir viel Glück beim Test.
Die Vorbereitungsphase bekam nicht jeder zugesichert, sondern war für die Anwärter gedacht, die in ihren Regionen keine Möglichkeit hatten, um Simulationen durchzuführen. Holodecks gab es auf meinem Planeten keine.
Die Prüfung sollte zwei Monate später statt finden.

Ich lief hinaus zu meiner Mutter, die gerade Unkraut jätete und überbrachte ihr die Nachricht. Sie packte mich an der Schulter und umarmte mich dann lächelnd. Sie hatte schon immer ein zartes Gemüt, doch jetzt war sie den Tränen nahe, denn sie freute sich für mich, wusste aber auch, dass wir uns lange nicht sehen würden, wenn ich die Prüfung bestehen würde. Die Sternenflottenakademie war im Herzstück der Föderation, der Erde.
Am Abend unterhielten wir uns dann darüber, wann ich fliegen würde und was ich alles mitnehmen sollte.
Eine Woche danach nahm ich einen kleinen Aushilfsjob bei einem Frachter an, der bis zur Station meines Lehrers flog und von dort aus reiste ich mit meinem Lehrer zusammen nach Relva VII. Er wollte mit dabei sein und mich unterstützen. Ich war seine Lieblingscardassianerin, sagte er...aber wahrscheinlich kannte er sonst keine weiteren. Ich war ihm vor allem so sympatisch, weil ich nicht wie andere Cardassianer war, oder wie er sich vorstellte, wie andere waren.

Auf diesem Schiff war es für mich richtig ungewohnt, nun selbst Passagier zu sein, hatte ich sonst meine meiste Zeit auf Schiffen als ein besserer Sklave verbracht. Ich wurde sogar richtig unruhig und mein Lehrer empfahl mir, die Augen zu schliessen, auf das Summen des Antriebs zu hören und die anderen Stimmen auszublenden und dann einfach ruhig zu atmen. Es war wie unsere Meditationsübungen, um den Geist zu stärken.
"Manchmal denke ich, sie hatten auch eine cardassianische Ausbildung..." meinte ich dann zu ihm und er lachte. "Nein, sicher nicht. Aber diese Art, um die Nerven zu beruhigen, gibt es bei vielen Völkern."
Ich sah ihn interessiert an und meine Neugier packte mich.
"Woher wissen sie so viel darüber? Ich meine, ich kenne die Lehrer der Schule in unserer Provinz und die haben eher wenig Geduld oder wissen etwas mit mir anzufangen."
Er lachte wieder.
"Nun, jeder hat seinen Beruf etwas anders gelernt und jeder macht in seinem Leben andere Erfahrungen. Ich denke, die Lehrer dort hatten wohl eher wenig Umgang mit vielen unterschiedlichen Völkern und sicher hatten einige von ihnen noch nie Kontakt mit deinem Volk. Auch sind wenige von ihnen so viel gereist, wie vielleicht ich. Weisst du, als ich in deinem Alter war, hatte ich die Sternenflotte besucht und auch abgeschlossen. Ich war einmal ein Offizier und kümmerte mich vor allem um die Kommunikation auf dem Schiff, auf dem ich diente. Dadurch habe ich viel erlebt und auch viel durchgemacht. Ich habe erkannt, dass es viele Nuancen gibt in jedem Volk und ich bin der festen Überzeugung, dass es nirgends ein wirklich einschichtiges Volk gibt, bei dem Gedanken, Gefühle und alles, was es ausmacht, immer komplett gleich ist, bei dem es kein Individuum gibt."
Ich wollte gerade die Borg erwähnen, doch er hielt mich zurück.
"Die Borg, denn das willst du sicher anmerken, sind für uns noch immer in vielerlei Hinsicht ein Rästel. Und ich denke, dass es eine Weile dauern wird, aber auch das Volk ist sicherlich mehrschichtiger, als wir denken und obwohl uns gesagt wird, dass es keine Individuen dort gibt, so können wir schnell auch eines besseren belehrt werden."
Ich nickte.
"Ich habe nach drei Jahren Dienst meinen Posten verlassen und versucht Counselor zu werden. Das hatte auch geklappt, doch auch das hielt ich nur zwei Jahre aus. Die Probleme anderer gingen mir zu schnell zu nahe und so wechselte ich ein letztes Mal. Ich wurde Lehrer. Und das war am Ende das, was ich wirklich gut konnte und zu lieben lernte. Es begeistert mich immer wieder aufs Neue, wenn ich solch junge Leute sehe, wie dich, die etwas aus sich machen wollen und die ich dabei unterstützen konnte. Es erfüllt mich mit Stolz."
Ich war baff. Mein Lehrer wurde auf einmal so sentimental. So kannte ich ihn gar nicht mehr. Kurz überlegte ich sogar, ob ein Geheimdienst ihn vielleicht durch einen Doppelgänger ersetzt hatte.
Mir wurde klar, dass ich viele Möglichkeiten haben würde und dass mir noch gar nicht richtig bewusst war, was ich eigentlich dann wählen wollen würde, falls ich genommen werden würde. Es gab viele Berufszweige, die möglich waren und für die man Zusatzkurse buchen konnte. Ich hatte mich wirklich schon gut über die Akademie und das anschliessende erweiterte Studium informiert.
Ich konnte zwar mit Technik gut umgehen, aber das reichte, um den Replikator zu Hause zu reparieren, für mehr nicht. Ich hatte ein natürliches Talent für Sprachen, aber dank Universalübersetzer war das auch eher ein ungefragter Job. Pilot war nicht meins, Sicherheit und Taktik zu sehr Klitschee und das wollte ich eben nicht bedienen und Wissenschaften waren auch nicht mein Ding. Das erkannte ich spätestens dann, als ich besseren Dünger herstellen wollte, damit aber beinahe unsern Stall in die Luft gejagt hatte. Wir hatten danach eine Weile Geflügel in Massen zu Essen und ich hatte danach eine sehr vegetarische Phase für ein paar Monate...

Den Flug über hatte ich also genug Zeit, um über die Sternenflotte und meinen Platz darin nachzudenken. Schliesslich könnte es gut sein, dass man mich über meine Zukunftspläne fragte. Taktik und Sicherheit waren sehr nahe liegend und landeten in der Schublade für Plan B, doch irgendwas musste es noch geben, was für andere nicht so offensichtlich war und doch sehr gut zu ihren Qualitäten passte.
Ich diskutierte noch ein wenig darüber mit meinem Lehrer und er meinte, dass ich auch meine eigenen Wünsche mit einbeziehen sollte, nicht nur das, was ich bisher gelernt hatte. Zudem wäre es auch während des Studiums möglich, sich noch später zu entscheiden.
Also nahm ich das so hin und überlegte trotzdem, was ich aus meiner Zukunft machen wollte.

Die Reise ging mehrere Tage lang, da wir noch andere Planeten ansteuerten und Passagiere ausstiegen oder an Bord gingen. Es waren Angehörige vieler verschiedener Rassen und ich war neugierig. Ich versuchte mit dem einen oder anderen einen Dialog zu starten und einige waren über meine offene Art sehr überrascht. Da ich mittlerweile gut abschätzen konnte, wer mich definitiv nicht leiden konnte, ging ich denen gleich aus dem Weg. Ein paar erquickende Gespräche kamen sogar zusammen. Eine Andorianerin, ungefähr in meinem Alter, war ebenfalls auf dem Weg zur Prüfung und mit ihr unterhielt ich mich am Meisten. Es war sehr aufschlussreich. Sie wollte Pilotin werden und schwärmte von der Fliegerei. Ich mochte ihren Eifer für diese eine Sache. Sie dagegen war erst verwirrt, dass ich zur Sternenflotte wollte, war ihrer Ansicht nach die cardassianische Union doch eher negativ auf die Föderation eingestellt. Ich teilte ihr mit, dass mir das egal sei und sie fand das wahrscheinlich sehr faszinieren.
Charakterlich gesehen waren wir fast auf einer Wellenlänge.

Als wir unser Ziel erreichten, verabschiedeten wir uns voneinander und ich hoffte, dass wir uns wieder sehen würden.
Ich ging mit meinem Lehrer zum Empfang, um meine Unterkunft und weitere Informationen zu erhalten. Mein Lehrer wollte hier nicht über Nacht bleiben, denn er hatte mich nur bis hier her begleiten wollen. Nun hiess es Abschied nehmen und er wünschte mir viel Erfolg.
Ich stand noch etwas alleine da und brauchte ein paar Minuten, um Mut zu fassen. Ich suchte meine Unterkunft, die ich mit sieben anderen teilte. Das kam mir sehr bekannt vor. Die Betten waren doppelstöckig und nicht gerade gross und auch hier gab es für jeden einen Schrank für die Sachen, die wir mitgebracht hatten. Die Betten waren nicht bezogen und das Bettzeug lag gut sortiert auf der exakt zusammengelegten Decke. Ich fühlte mich ein wenig, wie damals, als ich ins Institut auf Cardassia gekommen war. Es herrschte Ordnung und Disziplin.

Drei Frauen waren anwesend. Eine kämpfte gerade mit der Bettdecke und dem Bezug. Sie war vom Bezug gefressen worden und die Finger irrten desorientiert an der Bettdecke umher, um die Ecken zu finden. Eine anderere, ein recht hochwüchsiger Mensch, machte sich einen Spass daraus und dirigierte die Arme, als wolle sie ihr helfen die Ecken zu finden. Jedoch tat sie gerade das Gegenteil und leitete sie völlig falsch an. So könnte das Ganze noch Stunden gehen.
Die Dritte war eine dünne, junge Frau, der ein wenig kränklich wirkte und gerade ihren Spind einräumte. Ich nickte ihnen zu. Die eine konnte mich gerade nicht sehen, die andere sah mich etwas verwundert an und verpasste es, ihren Scherz weiter fortzusetzen, weswegen die Decke endlich ihren Bezug übergestreift bekam. Die letzte schaute kurz vom Spind hervor und stutzte ebenfalls, räumte dann aber desinteressiert weiter ein.

Ich betrachtete die Betten und sah, dass eines noch komplett frei war. Ich stellte meinen Koffer ab und kletterte nach oben, schnappte mir den Bezug und begann mein Bett zu machen. In meiner Kindheit musste ich immer mein Bett ordentlich machen. Als ich fast fertig war, kam noch jemand in das Zimmer und grüsste. Ich sah auf und erkannte die Andorianerin vom Flug. Ich grüsste sie erneut freundlich und auch sie schien sichtlich froh zu sein, schon jemanden etwas zu kennen.
Sie wählte gleich das Bett unter mir und stellte sich vor. Zyvi Zh'ivhaqak war ihr Name. Die anderen taten es ihr gleich, ohne dass ich schnell genug reagieren konnte. Kristin Hill war die hinterm Spind, die nun hervorgetreten war. Sie war ziemlich bleich und ihre Augen waren leicht gerötet. Ihr langes, schwarzes Haar rahmte das schmale Gesicht ein. Rory Mellor hatte blondes Haar und blaue Augen und war bisher die kleinste von uns. Sie war diejenige unter dem Bettbezug gewesen. Sommersprossen hüpften überall über ihr Gesicht. Sabrina Nacht war die stämmigere der drei Menschenfrauen und immer mal gern zu Scherzen aufgelegt oder das, was man auch Bully nannte. Sie kommentierte das Mischmasch alsdann recht belustigt.
"Ein Löffelkopf und ein Schlumpf. Na toll." Die Andorianerin blickte böse, war das womöglich nicht so gewohnt, wie ich. Also versuchte ich sie etwas abzulenken.
"Ihr seid alle hier, weil ihr noch Vorbereitung braucht?"
Sie nickten und bis auf Sabrina teilten alle gern ihre Herkunft mit und dass die Planeten eher zu den ärmeren der Regionen zählten. Man erhoffte sich Chancen in der Sternenflotte und eine echte Karriere.

Ich verstaute meine Sachen im Spind und wollte gerade zur Tür raus, da stiess ich beinahe eine Bajoranerin an. Ihre Rillen auf dem Nasenrücken und ihr Ohrring waren unverkennbar. Ich stutzte und wusste nicht, wie ich darauf reagieren sollte, die Bajoranerin schon. Ihre Züge wurden finster und sie drehte sich empört um und ging wieder Richtung Empfangshalle.
Sie bekam ein anderes Zimmer zugewiesen und noch ein weiterer Mensch zog dagegen bei uns ein. Sie war sehr zurückhaltend und ruhig und schien Kontakt nicht so zu mögen. Also beschäftigten wir uns weniger mit ihr. Kirsten Bates war ihr Name.

Scheinbar hatten wir das letzte Zimmer, in welches noch Leute gestopft werden konnten, denn andere waren zu der Zeit stark belegt, in unserem gab es noch freie Plätze. Eventuell würde das zu den Prüfungen anders aussehen.

Die zwei Monate Training bestanden hauptsächlich nur aus dem, was wir sonst nicht hatten machen können. Reaktionsprüfungen, Flugstunden und dergleichen. Man versuchte uns auf das Level zu bringen, was eventuell Kinder, die auf Schiffen oder Stationen aufwuchsen, uns voraus hatten. Einige dieser Übungen, oder ähnliches, würden in den Tests später auftauchen.

Drei von uns hatten die Zeit über ganz gut miteinander harmoniert. Anfang war es merkwürdig gewesen, aber ich genoss es, mal wieder in einer Gruppe sein zu können und ich wurde schnell die Anführerin von uns dreien, da mein taktisches Verständnis das Beste war. Die Andorianerin dagegen war gut im Kämpfen und hatte sehr feine Reaktionen und Rory Mellar, die sonst recht schusselig war, war ein Perfektionist, wenn es um technisches Verständnis ging. Bei den Shuttleübungen hatten wir gute Ergebnisse Dank Zyvi, bei Notfallsituationen hatte ich die Nase vorn und Rory, nun, die flitze bei allem immer durch die Gegend und reparierte hier und da und fand die merkwürdigsten Lösungen.
Wir scheiterten natürlich auch viel, denn einige Dinge waren verdammt schwer und ich fragte mich manchmal, ob es vielleicht sogar sein musste, dass wir scheiterten. Ob es geplant war. Oder verlangte die Sternenflotte wirklich so viel von Bürgern, die teilweise so ein lasches Schulsystem hatten?

Die Prüfung kam schneller, als wir dachten und erst wurden Dinge einfach nur abgefragt. Einfach war es für die einen oder anderen allerdings nicht so ganz. Wir standen an Konsolen, die uns Fragen zu verschiedenen Gebieten stellten, reines Abfragen von Schulwissen und aber auch ein paar Dinge, die unsere eigene Überzeugung betrafen. Bei letzteren schrieb ich das nieder, was die Föderation bevorzugen würde, teilweise waren dies nicht meine eigenen Meinungen.

Und dann kamen die spezielleren Tests. Wir wussten alle nicht, worum es ging. Unsere Gruppe hatte gerade keine Prüfung und wir sassen zusammen und diskutierten einen der Tests. Unsere anderen Zimmergenossen waren mit dabei. Kirsten Bates war eine reine Wissenschaftlerin und wollte Medizin studieren. Sie konnte wirklich gut mit dem Tricorder umgehen. Was sie absolut nicht konnte, war der Umgang mit einer Waffe. Sie hielt sie manchmal sogar falsch herum, wenn es hektisch wurde. Einmal wollte sie einen holografischen Angreifer abwehren, schoss und traf Rory, da Zyvi noch zur Seite gesprungen war. Sonst hätte der Schuss ihr gegolten. Das Problem an der ganzen Sache war allerdings, dass diese beiden uns eigentlich hinten Feuerschutz geben wollte und wir beiden vorn standen, um den Gegner abzuwehren. Kristin Hill wollte ebenfalls Pilotin werden, oder doch lieber Wissenschaftlerin in Xenobiologie, oder doch etwas ganz anderes. Sie war diejenige, die wenig Entschlossenheit zeigte. Sie konnte von allem etwas, aber nichts Spezielles. Sie war sportlich, trotz diesem Körper, der so aussah, als würde er jeden Moment zusammenfallen. Ihre Wendigkeit war enorm praktisch und sie konnte schleichen. Sie hätte auf Cardassia einen guten Spion abgegeben.
Sabrina, die Letzte in unserm Bunde, war ein Grossmaul und wir alle mochten sie nicht wirklich. Sie war richtig falsch in unserer Truppe, ein Störfaktor sozusagen und wir versuchten sie alle stark zu ignorieren. Das merkte sie bald. Sie wollte Sicherheitschefin werden, irgendwann einmal und plusterte sich immer auf, als könne sie alles besser, als jeder von uns. Ihr taktisches Verständnis war in Ordnung, aber nichts Besonderes. Ihr fielen meist drei Pläne ein, die aber meist auch nur das war, was wir schon trainiert hatten. Sie war eine gute Schützin, das musste man ihr lassen, jedoch bisher auch nur in Simulationen. Wie sie in Stresssituationen reagieren würde, wussten wir nicht, denn sie war so resistent gegen Hologramme, wie ich es war. Sie wusste stets, dass die Übungen in den Holodecks simuliert und somit nicht gefährlich waren und behielt daher auch die Nerven.

Das sollte sich aber nun schlagartig ändern. Wir waren gerade dabei Kirsten zu erklären, wie sie am besten einen Phaser halten sollte, damit sie einen stabilen Schuss abgeben konnte, als plötzlich der Alarm los ging. Wir befanden uns in einem normalen Gemeinschaftsraum, der leer gewesen war und den wir uns als Besprechungsraum selbst ausgesucht hatten. Wir hatten hier schon eine Weile gesessen und diskutiert und nichts hatte den Anschein gemacht, dass etwas nicht stimmte. Es herrschte roter Alarm. Die Türen schlossen sich plötzlich und wir waren in dem Raum gefangen. Verwirrt sprangen wir von unseren Stühlen. Kirsten hatte noch den Übungsphaser in der Hand, der auf Betäubung fest eingestellt war und blickte hektisch zu den Türen, während sie ihn darauf richtete.

"Wa...was ist los? Wir habe doch gar keinen Test!"
Zyvi und ich waren auf aufgesprungen, sondierten die Lage.

Kirsten hatte recht, ein Test stand eigentlich nicht bevor, aber es konnte möglich sein, dass es ein Test war.
Wir hatten nur einen Phaser, den von Kirsten, den wir ihr zum Üben rausgeschmuggelt hatten und wussten nicht, warum der Alarm ausgelöst worden war. Der Computer blieb auf unsere Anfrage hin stumm.
Ich fragte Rory sofort, ob es eine Möglichkeit gab die Türen zuöffnen und sie nickte. Ich wies sie an, ihre Möglichkeit an einer der Türen zu versuchen, allerdings sollte sie warten, bis unser Schleicher die Lage sondiert hatte, denn sie konnte lautlos zu den Türen gehen und horchen, ob was in den Gängen draussen passierte.

Wir flüsterten uns gegenseitig die Befehle zu, oder nutzten kleine Handzeichen, die wir uns erarbeitet hatten.
Ich nahm Kirsten, die sich zwar etwas wehrte, es dann aber zu liess, den Phaser weg und gab ihn Sabrina, unserer besten Schützin.
"Du schützt Kristin beim Lauschen, denn falls die Tür auf geht, ist sie die Erste in Feindnähe, falls dies ein Angriff ist."
Sie nickte und behielt angestrengt die Tür im Auge, die Kristin gerade ansteuerte, um zu lauschen. Rory sammelte derweil alles zusammen, was ich im Raum befand und hilfreich für irgendwelche technischen Spielereien sein könnte. Sie war ein wenig wie dieser Scotti von der Enterprise unter Captain Kirk, von dem ich in Sternenflottengeschichte gelesen hatte. Zyvi und ich warteten erst einmal ab und berieten uns, was alles sein könnte. Wir beide vermuteten in Wirklichkeit einen Test, schlossen aber nicht aus, dass es eventuell einen technischen Defekt gegeben haben könnte, oder auch einen Angriff. Ein Test war am Wahrscheinlichsten, aber die anderen beiden Situationen konnten nicht ganz ausgeschlossen werden. Tests hätten wir allerdings eher in einer Holoumgebung erwartet, nicht in einem Gemeinschaftsraum Das unerwartete verwirrte unsere Gedanken ein wenig und doch versuchten wir so klar wie möglich Antworten und Lösungen zu finden.

Da wir als Gruppe agieren sollten, war ich in meinem Element. Die Schulung auf Cardassia war zurück gekommen und in diesem Moment waren meine Kameraden keine andersartigen Wesen, keine Aliens niederer Völker, sondern Cardassianer, die mit mir zusammen eine Situation meisten mussten. Ich blendete völlig aus, dass wir in der Sternenflotte waren. Dies war so unheimlich vertraut.
Dann sprang plötzlich die Tür auf, Kristin bekam einen Schreck, weil sie nichts gehört hatte. Von der anderen Tür kamen zeitgleich Todesschreie und wir standen einem Borg gegenüber. Es war nur ein einzelner, aber er war zum Fürchten. Ich hatte in Geschichte etwas über sie gelesen, aber viele Informationen hatte ich nicht von ihm. Ich versuchte ihn zu analysieren und die Gefahr neu einzuschätzen. Ein Angriff also. Nun kam mir der Gedanke an eine Prüfung gar nicht mehr, sondern meine Ausbildung in Strategemen und die, die mir mein Vater vermacht hatte, zählte nun mehr, wir mussten die Gruppe schützen.

Zyvi schien etwas Panik zu haben, wie wir alle. Das war für uns kein Spiel und kein Wettbewerb. Es fühlte sich alles so echt an. Auch sie bemerkte, dass der Borg wohl auch etwas verwirrt war, Kristin so nah an der Tür vorzufinden und in seiner Aktion stecken blieb.
Wir stiessen die Tische um, um eine Baariere zu schaffen. "Feuerschutz!" brüllte ich und Zyvi und ich sprangen vor, um Rory und vor allem Kristin zu retten. Kirsten ging in Deckung, denn sie war im Moment mit ihren Fähigkeiten stark im Nachteil. Sabrina sollte uns Feuerschutz geben.
Wir zwei Nahkämpfer sprangen vor, rollten uns ab und bemerkten, dass Rory die Idee mit den Tischen übernommen hatte und ebenfalls einen als Schutz verwendete. Kristin robbte rückwärts kriechend vom Borg weg, da sie vor Schreck beim Öffnen der Tür den Halt verloren hatte und auf dem Hosenboden gelandet war. Sie war noch immer in direkter Gefahr und die anfängliche Steifheit des Borg hatte sich gelöst. Er kam auf sie zu. Was mich verwirrte war, er feuerte nicht und von uns kam auch kein Feuer.

"SABRINA!" brüllte ich quer durch den Raum, konnte sie bei einem kurzen Blick über die Schulter nicht aus machen. 'Verdammt' dachte ich und erkannte, dass die Andorianerin schon weiter gekommen war, als ich und unsere Schleicherin wegzog. Allerdings war der Borg sehr nah und konnte sie greifen. Aus seinem Arm kamen seltsame Drähte. Ich verlor keine Zeit damit, weiter da zu stehen und zu schauen, was mit meiner Freundin geschehen würde und nahm allen Mut zusammen. Ich spurtete mit einer vollen Rammattacke auf den Borg zu, legte mein ganzes Körpergewicht hinein und stiess ihn von den Füssen. Der ganze Raum war von meinem Kampfschrei erfüllt und ich hatte mich wohl beinahe wie ein Klingone angehört.

Das gab den anderen beiden genug Raum, um zu verschwinden, doch ich hatte ein Problem. Der Borg war stark und ich hatte es nicht geschafft, mich aus seiner Reichweite zu rollen, nicht rechtzeitig. Nun war ich in der dummen Situation, dass ich Hilfe benötigen würde. ich versuchte ihn bewusstlos zu schlagen, indem ich beide Hände zu einer grossen Faust vereinigte und auf ein paar Stellen seines Kopfes schlug, die mit Borgausrüstung besetzt waren. Das brachte allerdings kaum Erfolg. Der war zäh. Ich sah diese Schläuche oder Drähte näher kommen und riss seinen Arm hoch, versuchte gegen seine Kraft anzukommen.

"Erschiesst ihn, verdammt!" brüllte ich, da kam auch schon der rettende Schuss. Ausgerechnet Kirsten hatte den Phaser von der völlig panischen und sich hinterm Tisch verkriechenden Sabrina geschnappt gehabt, war nach vorn geeilt, um ein besseres Schussfeld zu haben und war von Zyvi beschützt worden, indem diese einfach kampfbereit mitgekommen war. Dann hatte sie das, was wir ihr vor ein paar Minuten noch erklärt hatten, tatsächlich beherzigt und den Borg getroffen. Er löste sich auf. Es war doch nur eine Simulation und ich lies meinen Kopf erleichtert auf den Teppich sinken und starrte die Decke an. Kirsten hatte mir in der Simulation das Leben gerettet, nachdem ich Zyvis und sie Kristins Leben gerettet hatte. Rory war so intelligent gewesen und hatte Schutz hinter anderen Tischen gefunden. Nur unser Backup hatte sich ängstlich hinter einem Tisch verkrochen.

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Beitragvon Iliana » Mo 25. Dez 2017, 04:16 #12 »

2386 / 750. Jahr der Card. Union

Die Wochen verstrichen nach der Prüfung nur langsam. Wie sehr die Zeit sich doch ziehen kann, wenn man auf etwas bestimmtes, was das Leben stark beeinflussen kann, wartet. Unerträglich.
Es gab Zeiten, da ass ich nichts, Zeiten, da lief ich jede Minute zu meinem Computer, um meine Nachrichten abzufragen, doch stets kam nichts. Ich vermutete fast, dass eine Absage nicht kommuniziert wurde, weil dies ja etliche Schüler betraf und vielleicht nahm es da die Sternenflotte nicht so genau und schrieb nur denen, die bestanden hatten.

Eines Nachmittags blinkte mein Lämpchen jedoch grün auf, eine Nachricht war gekommen und sie war tatsächlich von der Sternenflottenakademie.

"Sehr geehrte Frau Renor,

wir möchten Ihnen herzlich für die bestandene Prüfung gratulieren. Ihre schulischen Leistungen sind ausgezeichnet und ihre Teamfähigkeiten sind ebenfalls sehr gut bewertet worden. ... "


Ich machte grosse Augen, denn laut diesem Text war somit eine Aufnahme erfolgt und mein Herz sprang vor Freude. Ich las trotzdem weiter.

"... Leider hat sich der Ausschuss dazu entschieden, dass eine Aufnahme derzeit noch nicht möglich gemacht werden kann.
Wir bitten um ihr Verständnis,
MfG Sternenflottenakademie..."


Fassungslos las ich den letzten Teil noch einmal und noch einmal, bis mir es dann endlich bewusst wurde. Ich hatte es nicht geschafft. Meine Leistungen in den tests waren ausgezeichnet gewesen, zumindest laut Brief. Also was stimmte nicht? Wieso bekam ich eine Zusage für die Prüfung, wurde dann aber für die Akademie nicht zugelassen? Nicht mal etwas von einer Warteliste wurde geschrieben.

Enttäuscht löschte ich den Brief und lies mich aufs Bett sinken. Die nächsten Tage war ich traurig und wütend, immer mal abwechselnd. Ich hatte erneut das Gefühl, dass mich die Welt irgendwie hier verrotten lassen wollte.


Um den Kopf frei zu bekommen, packte ich im Sommer meine Sachen und spazierte los. Ich ging wandern und hatte vor ein paar Wochen weg zu sein. Ich wollte völlig mit mir alleine sein, ohne meine Mutter, die mir immer wieder sagte, dass dies doch nicht schlimm sei. Ich fand es schlimm. Ich konnte in diesem Punkt die Sternenflotte nicht verstehen. Sie waren doch die, die immer predigten, dass man ohne Vorurteile entscheiden sollte. Warum also lies man Ferengi zum Beispiel zu und Cardassianer nicht? Mir kam gar nicht in den Sinn, dass es eventuell seine Gründe hatte.

Die Sonne war angenehm warm, überall sirrten Insekten umher, die man in der Nähe der Siedlung gar nicht entdecken konnte. Die grossen Schnecken liefen mir ab und an über den Weg und ich lies sie friedlich vorüber ziehen. Ich sah einen Karak auf einem der Bäume sitzen, ein recht seltener Bewohner dieses Planeten, ein Greifvogel, welcher sich mittlerweile eher von den Haustieren der Bewohner ernährte, als vom spärlichen Wild.
Er sah mich scharf an, ich winkte ihm zu.

Mein kleiner Trip mit Übernachten im Freien und dem zu Essen, was die Natur hier bot und was ich an haltbaren Sachen selbst mitgebracht hatte, erinnerte mich wieder an meine alte Heimat. Sie befand sich noch immer im Aufbau und als ich das letzte Mal meine Mutter fragte, ob wir nicht wieder zurück wollen, da meinte sie, dass wir wahrscheinlich nie mehr zurück könnten, denn egal, wie die Regierung sich ändern würde, Feinde hatten wir und irgendwer wollte sicher unser Tod. Ich merkte an, dass diese vielleicht im Krieg gefallen waren, schliesslich gab es grob geschätzt eine Milliarde Tote. Zu Beginn waren 800 Mio gemeldet worden, doch nach den ersten Aufräumarbeiten stieg die Zahl noch einmal um weitere Opfer.
Doch meine Mutter war sich sicher, dass meistens die überleben, die böses im Herzen tragen und sie konnte sich auch nicht vorstellen, dass Gedanken wie Demokratie und Meinungsfreiheit bei Cardassianern gut ankommen würden. Es hätte keinen Bestand.

Als ich mal wieder die Sterne beobachtete und nachdachte, fiel mir ein, was mein Lehrer mir gesagt hatte. Sie würden es testen, ob ich aufnahmebereit war, oder nicht. Ich lies diese Worte wirken und mehrere Male durch mein Hirn sausen.
Prüfen ob aufnahmebereit..... flüsterte ich mehrmals vor mich her.
Was, wenn das noch gar nicht das Ende war? Was, wenn ich ihnen erst einmal beweisen müsse, dass ich das Druchhaltevermögen habe? Was, wenn sie testen, ob ich es ernst meine?
Mir wurde eines klar. Ich war ein Dummkopf gewesen, zumindest die letzten paar Wochen nach der Absage.

So packte ich mein Zeug wieder, wanderte nach Hause zurück und als ich dort angekommen war, meldete ich mich bei Samuel Hollens. Ich fragte, wie oft man die Prüfung denn wiederholen könne und er meinte, es gäbe da keine direkte Begrenzung. Aber wenn ich mich noch einmal bewerben wollen würde, müsste ich das schnell tun, denn die Anmeldefristen waren bald. So verlor ich keine Zeit, reichte alles wieder ein, sodass der Spass erneut beginnen konnte.
Ich frischte einiges wieder auf und war bereit für die nächste Reise nach Relva VII. Dieses Mal flog ich alleine, denn ich kannte nun das Prozedere.

Die Prüfungen waren erneut nicht schwer und ich machte es gleich, wie beim ersten mal. Die Meinungsfragen wurden wieder mit Föderationsideen beschrieben, statt mit meiner eigenen Meinung. Nur ich nutzte natürlich nicht den gleichen Wortlaut, wie letztes Jahr.
Mit den Prüflingen kam ich dieses Mal weniger gut aus. Sie waren mir gegenüber eher zurückhaltend und isolierten mich von vielen Dingen, die sie taten. Dieses Mal hatte ich aber auch nur die Prüfungszeit gehabt, um sie kennen zu lernen und nicht die zwei Monate vorher. Ich hatte sie nicht für nötig erachtet.

Der Stresstest, oder besser gesagt, der Psychotest war dieses Mal aber etwas völlig anderes und wieder so unerwartet.
Wir waren in einem Test, in dem es eigentlich um technisches Verständnis ging. Wir waren in einem Labor und sollten dort eigentlich nur einen Replikator für Laborausrüstung raparieren. Ein Arbeiter war in einem abgesicherten Raum, in dem gefährliche Stoffe, wie auch Viren und Bakterien lagerten, mit denen hier geforscht wurde. Man hatte uns deswegen gesagt, dass wir auch nichts Dummes anstellen sollten und beim Replikator aufpassen sollten, dass alles glat läuft und nicht das Stromnetz durch irgendwas unterbrochen werden würde. Er wäre mit der Energie des Eindämmungsfeldes des Gefahrenguts gekoppelt.
Aus heutiger Sicht völliger Schwachsinn, denn wer sowas Dummes konstruiert, gehört selbst in diesen Raum bei einer Replikatorüberlastung gesperrt, aber wir glaubten das damals. Unser technisches Verständnis war noch nicht so weit ausgebaut und auch Sicherheitsprotokolle dieser Art waren uns noch fremd. Das lernte man dann erst in der Akademie.

So schraubten wir quasi an dem Replikator rum und versuchten dieses blöde Ding wieder zum Laufen zu bekommen, als es plötzlich eine Spannungsspitze gab, das Eindämmungsfeld um das Gefahrengut zitterte und erlosch und der Labormitarbeiter eine Probe vor Schreck fallen lies, die sich über den Boden ergoss. Er sah kreidebleich aus, als er uns ansah. Wir hatten nicht sofort realisiert, was los war und starrten vom Arbeiter, gut geschützt in seinem Schutzanzug zum Behälter, aus dem noch Flüssigkeit tropfte und wieder zurück. Es dauerte exakt fünfzehn Sekunden, als wir das Symbol darauf erkannten. Einige meiner Mitstreiter wurden bleich, ich konnte nicht viel Farbe verlieren, hatte aber auch das Gefühl, als wenn das Blut sich plötzlich zurückziehen wollte. Der Behälter enthielt irgendeinen biologischen Kampfstoff, denn das Biohazardzeichen prangte gross darauf in strahlendem Rot und Schwarz.
Die Ereignisse überschlugen sich. Da bei der Tür keine Versiegelung -- die war wohl auch mit dem Stromkreis gekoppelt -- und kein Kraftfeld aktiviert worden war, lief einer gleich los, um den Raum schreiend zu verlassen. Er wollte nicht sterben, was er dann noch laut mehrmals wiederholte, als sich drei von uns auf ihn geworfen hatten und zu Boden drückten.
Unser technisches Genie dieser Gruppe, der aber nicht so gut wie Rory aus meinem ersten Prüfungsjahr gewesen war, versiegelte manuell die Tür.

"ICH WILL NICHT...."
"KLAPPE!" Die Stimme unseres leicht cholerischen "Anführers" übertönte alles und die Panik unseres zweiten Technikers, der sich noch nicht sicher war, ob er Wissenschaftler werden wollte, wurde statt kleiner nur noch grösser. Er zappelte wie wild um sich und es war wirklich schwer seine neu aktivierten Kräfte unter Kontrolle zu halten.
Ich blickte unsern Choleriker böse an, der verständnislos blieb und derweil wohl zu überlegen schien.
Eine unserer Interessenten in reiner Wissenschaft war noch auf verlorenen Posten und ich nickte mit einem auf sie gerichteten Blick in Richtung des Labormitarbeiters.
Sie sah erst so aus, als wüsste sie nicht, was es zu bedeuten hatte, doch dann ging ihr ein Licht auf und sie lief zu demjenigen herüber, der noch immer kreidebleich und halb erstarrt war. Sie berührte ihn am Arm, was die Starre etwas löste und fragte, was das da am Boden sei.
"Duzaan Thek'il" antwortete er stockend. "Ein genverzehrendes Bakterium, das hochgradig ansteckend und absolut tödlich ist."

Wir starrten uns alle verwirrt an, da wir das nicht kannten, wie auch, es war nicht echt. Aber auch das wussten wir nicht. Uns war klar, dass wir in der Akademie einiges Neues lernen würden, unter anderem auch medizinische Sachen und natürlich auch Wissen über Gefahrenstoffe, doch wenn das hier wirklich echt war, dann würden wir das vielleicht nicht mehr. Aber wir hatten einen Vorteil. Den Labormitarbeiter.

Da unser Problem noch immer der panische Mitstreiter war, versuchte ich es, ihn ein wenig zu beruhigen.

"Hör zu, wir können nicht hier raus. Wir würden damit die anderen alle anstecken. Willst du das wirklich? Wir sollten versuchen entweder hier eine Lösung zu finden, oder aber draussen findet jemand eine für uns. Darauf müssen wir vertrauen. Tot sind wir im schlimmsten Fall so und so. Wir können jetzt nur entscheiden, ob wir alle andere mit reinziehen, oder das hier, isoliert, aussitzen."

Ich versuchte die Ruhe zu bewahren und meine Maske aufrecht zu erhalten, die ich trug. Unter der Maske war Panik aufgekeimt, denn auch ich wollte nicht sterben und wer wusste schon, wie schmerzhaft solches DNA-fressendes Zeug war? Ich zitterte etwas, schob es aber bei Nachfrage auf die Bemühungen, unsern Kollegen ruhig zu halten.
Dieser willigte nach etwas Überlegungszeit ein, sich zu fügen und im Raum zu bleiben. Mittlerweile hatte er auch keine andere Wahl. Sein Gesicht war völlig verheult und sein Blick schien gebrochen. Jemand, der Folter keine zwei Sekunden aushalten würde.
Dem Laboranten wurden einige Fragen gestellt, unter anderem auch, ob er von hier aus ein Gegenmittel oder etwas in der Art herstellen konnte. Er wollte es versuchen, würde aber unsere Hilfe dabei benötigen. Wir willigten ein, hatten ja ey nichts weiter zu tun.

Als nächstes stellten wir eine Kommunikation nach Aussen auf, in der wir unsere Lage schilderten, wie viele wir waren und dass wir ungefähr sechs Stunden zu leben hatten. Nicht viel Zeit für ein Gegenmittel.

Und tatsächlich hatten wir keine Chance, denn das Gegenmittel gab es ja eigentlich gar nicht, da es den Gafahrenstoff nicht gegeben hatte. Der Laborant arbeitete mit uns zusammen an einem Plazebo und wir durchschauten dies natürlich nicht. Manche auf Grund ihrer Panik, andere auf Grund ihres Wissens nicht. Ich weiss nicht, ob ich es gemerkt hätte, wenn ich mich in Medizin oder Chemie besser ausgekannt hätte, aber ich denke eher nicht.
Die Zeit rückte immer näher und mehr Personen bekamen es mit den Nerven zu tun, wurden unkonzentriert, machten Fehler. Ich versuchte fokussiert zu bleiben und das umzusetzen, was mit der Laborant zuwies. Es war so gar nicht das, was mir lag, aber ich murrte nicht, denn schliesslich ging es um unser Leben.
Einer von uns bekam hysterisch einen Hustenanfall und Atemnot, als die Zeit nur noch zwei Stunden betraf. Ein anderer zeigte einen seltsamen Ausschlag am Arm und so wurden nach und nach einige von ihnen krank.
Angeblich waren dies auch die Symptome für den Verlust von DNS Information und somit den strukturellen Verfall des Körpers.

Ich fühlte mich allerdings noch gut. Durch Strategemen und meine Ausbildung mit vier Jahren, hatte ich ein gutes Körpergefühl und eine gute Konzentrationsfähigkeit, auch in hektischen oder sehr unbequemen Situationen. Wir sollten niemals die Angst gewinnen lassen.
Ich horchte in mich hinein und jemand anderer tat dies auch. Zu meiner Überraschung hatte sich eine Menschenfrau, ein Jahr jünger, als ich, ähnlich verhalten, wie ich. Wir sassen beide am Boden und meditierten ein wenig, während die anderen uns teilweise vollblafften, warum wir so eine "Arschruhe" hätten. Ich verstehe diesen Begriff noch immer nicht ganz, aber sie meinten wohl, warum wir in solch einer Situation einfach so dasitzen konnten.
Die Menschenfrau war allerdings gar keine, denn sie streifte ihr Haar ein wenig nach hinten, als sie mit der Meditation fertig war und ich erkannte spitze Ohren. Ihr Gesicht war aber sehr menschlich. Sie hatte wohl Vulkanierblut in sich, aber sicher schon etwas verwässert.
Ich sah sie an und meinte:

"Bist du vielleicht auch der Meinung, dass dies hier einer der Tests ist? Ich meine der besondere Test?"
Sie zog eine Braue hoch und da war der Vulkanierausdruck in ihrem Gesicht.
"Wie kommst du drauf?"
Wollte sie mich testen?
"Nun ja, scheinbar sind alle krank, ausser dir und mir. Und es trifft nicht nur Menschen, denn wir sind hier Tellerit, Ferengi, Trill und Risaner. Bei allen zeigen sich auch andere Symptome und nicht die gleichen. Und was ich auch noch sehr merkwürdig finde ist, dass von draussen schon lange keine Nachfrage mehr kam, wie es uns geht oder ein Update kam, ob sie eine Lösung hätten. In Zwei Stunden wären wir eventuell tot, also müsste man sich doch mehr und mehr Sorgen machen, uns psychologisch vielleicht unterstützen."
Ich blickte zu meinen Kameraden, die mich verwirrt ansahen, als ich meine Meinung dazu äusserte.
Meine Dialogpartnerin nickte. "So ungefähr hatte ich das auch gedacht. Es ist schier unlogisch, dass dies hier echt sein kann. Ausser, es wurde ein Mittel entwickelt, dass unter anderem Vulkanier und Cardassianer ausschliesst, oder wir haben ein viel besseres Immunsystem, als der Rest hier. Das bezweifle ich aber beides."
"Wollen wir es aussitzen?" fragte ich und sie nickte. "Lassen wir es drauf ankommen."

Da brach plötzlich der Laborant das Ganze ab und beglückwünschte uns beide für die gelungene Analyse der Situation. Er erklärte uns, dass es manchmal sein könne, und wohl auch schon vorgefallen war, dass man von anderen Völkern entführt und durch Vorspiegelung falscher Tatsachen in die Irre geführt werden konnte. Damit würden sie einen studieren, oder Informationen aus einen entlocken. Dann sei es wichtig, dass man auf fehlerhafte Kleinigkeiten, auf Lücken achtet, um die Illusion zu durchschauen und zwar rechtzeitig.
Dieser Test war ziemlich ungewöhnlich gewesen, fand ich zumindest., doch er erklärte noch andere Dinge und zählte auf, was wir falsch und was wir richtig gemacht hätten. Ich sollte unbedingt noch an meinen wissenschaftlichen Kenntnissen arbeiten, denn da hatte er die meisten Lücken entdeckt. Gut war ich dagegen wohl im Umgang mit panischen Leuten und im Erfassen von Situationen und dem dafür nötigen Handeln.

Alles in allem hatte ich ein gutes Gefühl, dass ich dieses Mal an die Akademie konnte. Aber auch diesmal wurde ich enttäuscht. Allerdings muss ich sagen, traf es mich dieses Mal nicht so sehr, wie das letzte Mal. Eigentlich ganz im gegenteil, denn es stachelte mich noch mehr an. Sie wollten scheinbar keine Cardassianerin auf der Akademie..aber die sollten sie haben...nächstes Jahr.

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Beitragvon Iliana » Di 26. Dez 2017, 03:52 #13 »

2387 / 751. Jahr der Card. Union


Kurz vor den dritten Prüfungen brach leider meine Brieffreundschaft mit Zyvi ab. Wir hatten nach der ersten Prüfung noch viel Kontakt zueinander gehalten und Briefe, sowie Videos untereinander ausgetauscht. Sie war etwas vor meiner zweiten Prüfung dann an die Akademie gekommen und sich dort zurecht zu finden, war für sie auch erst einmal schwer gewesen. Die Erde soll sehr interessant und quirlig sein, meinte sie zumindest.

Wir hofften darauf, dass wir uns im zweiten Jahr sehen würden, doch auch da musste ich sie enttäuschen. Und aus irgendeinem Grund schrieb sie plötzlich gar nicht mehr. Vielleicht hatte sie keine Lust mehr zu warten, vielleicht hatte sie andere Freunde gefunden oder eventuell war sie gar nicht mehr auf der Akademie. Ich malte mir viele Situationen aus, in der sie sich gerade befinden könnte und weswegen sie mir nicht mehr schreiben konnte oder wollte.

Es machte mich zwar sehr traurig, doch ich verlor nicht die Hoffnung, trotzdem nun endlich den Schritt zur Sternenflotte zu schaffen und sie vielleicht dort dann wieder zu sehen.
Ich hatte meine Anmeldung dieses Mal zum frühesten Termin abgeschickt, hatte wieder die 2 Monate Vorbereitungszeit gewollt und war mit einer Gruppe zusammengekommen, die grösstenteils gut harmonierte.
Mein letzter Test sollte allerdings dieses Mal nicht in der Gruppe statt finden.

Ich bekam den Auftrag ein paar Werkzeuge zum Techniker in den Technikraum zu bringen. Dieser beinhaltete einen Reaktor für die Herstellung der benötigten Energie und vielerlei anderen technischen Kram, der für die Lebenserhaltung und andere Systeme der Einrichtung gebraucht wurde. Relva VII war zwar ein Klasse M Planet, doch es brauchte hier drin alles, was man zum Leben benötigte, denn draussen war vorwiegend Einöde zu finden.
An Personla waren anwesend zwei kleine Technikassistenten, der Leiter der Technikabteilung und der Chef von dieser Prüfungseinrichtung. Er unterhielt sich mit dem Techniker und ich nickte ihnen nur kurz zu. Ein Fingerzeig des Technikers gab mir Bescheid, wo ich die Werkzeuge hinpacken sollte.

Plötzlich gab es eine laute Explosion und der Alarm sprang an. Ich wurde durch ein gleissendes Licht geblendet und bedeckte die Augen. Der schrille Alarm tat in den Ohren weh undd ie Stimme des Computer donnerte durch mein Hirn.
"Achtung, Überlastung des Kerns. Bruch steht bevor. Evakuierungsprotokolle aktiviert."

Ich stand direkt neben dem Reaktor und machte einen Satz zur Seite, der im schlimmsten Fall ohnehin nichts gebracht hätte. Als sich meine Augen wieder an Sicht gewöhnten, blickte ich mich um. Überall konnte man das rote Leuchten der Warnsignele vom Alarm sehen und einiges lag in Trümmern. Mehrere Konsolen flackerten, rauchten und blitzten, Gase traten hier und da aus, sowie Kühlmittel und ich entdeckte, dass die beiden Technikerassistenten tot waren. Zumindest zeigte dies mein Tricorder an. Ich hatte ihn zuvor erst erhalten, allerdings für eine Prüfung danach.
Der Computer vermeldete weiterhin, dass ein Bruch bevor stand und ich suchte nach dem Leiter der Einrichtung und unserem Technikleiter.
Als ich gerade den Techniker erreicht hatte, der eine böse Wunde aufwies, aber noch ansprechbar war, platzte hinter mir eine Leitung und Plasma trat aus, welches sich entzündete. Ich spührte die Hitze sofort und verlor keine Zeit. Ich sah zum Leiter rüber, der schwer zu erreichen war und dann wieder zum Techniker vor mir.
Die Computerstimme wurde fordernder. "Achtung, Plasmaleck. Evakuierung eingeleitet. Sicherheitstüren schliessen sich..."

ich bekam einen Schreck und schnappte mir den Arm vom Techniker, hob seinen Körper so an, dass er zum Teil auf meiner Schulter lag. Er war Gott sei Dank nicht zu schwer, sondern so, dass ich ihn kleine Strecken durchaus schleppen konnte. Ich machte einen Buckel und glich sein Gewicht und meine Balance so aus, dass ich kontinuierlich laufen konnte. ich musste mich beeilen, denn die Sicherheitstüren brauchten zwar eine Zeit, um zu schliessen, würden aber nicht ewig warten.
Also lief ich los, blickte noch einmal zum Leiter, der von austretenden Gasen und Plasmafeuer eingeschlossen war und schüttelte mit dem Kopf. Ihn zu retten würde mein Leben und das des Technikers zu stark riskieren.

Ich lief mit meinem Ballast an zischenden Leitungen vorbei, an blitzenden, elektrischen Kabeln, eine Treppe hinauf, bis ich bei der Tür war, hinter der sogar einige verwirrte Kadetten standen und von der Sicherheit abgehalten wurden. Die Tür hatte sich schon halb geschlossen und ich lies mich fallen, schon den Techniker zuerst durch und rollte dann selbst hinterher.
Die Tür schloss sich ein paar Momente später hinter mir mit einem Zischen. Ich drehte mich um und sah durch das durchsichtige Schutzglas in der Tür und blickte zum Leiter der Einrichtung und den zwei Toten.
Dann aber wendete ich mich schnell dem Techniker zu, der etwas verwirrt schien. Ich prüfte seine Verletzungen und vermeldete dann, dass er auf die Krankenstation musste.

Er schnappte meine Hand, als ich wieder in den Raum sehen wollte und lachte. ich verstand erst nicht, doch dann wurde es mir klar. Es war eine Prüfung gewesen.
Die anderen Anwesenden waren sichtlich erleichtert, oder waren eingeweiht gewesen und lösten nun langsam die Gaffer auf.
Ich atmete erleichtert aus, denn ein Bruch im Reaktor hätte noch weitere Probleme bedeutet.

Aus der sich wieder öffnenden Tür traten dann auch die beiden Assistenten und der Einrichtungsleiter. Er lies mich in einen extra Raum kommen und dort sollte ich einige Fragen beantworten.

Die wohl wichtigste war: "Warum haben sie den Techniker und nicht mich gerettet?"
Ich lächelte ihn an und meinte daraufhin: "Nun, sie sind wichtig für die Einrichtung, keine Frage, aber leider nicht so viel wichtiger, wie ein Techniker in dieser Situation es gewesen ist. Er hätte noch etwas gegen den Bruch unternehmen können, sie wahrscheinlich weniger. Ausserdem wäre das Risiko sie zu retten erheblich höher gewesen und hätte womöglich sogar zu keinem Erfolg geführt, oder zu einem schlimmeren. Bestenfalls wären sie gerettet worden mit Plasmaverbrennungen am Körper und ich hätte mich ebenfalls verletzt. Die Techniker hätte ich dann nicht retten können. Im Schlimmsten Fall wären wir alle dort gestorben. Mir erschien es also logischer, dass der Techniker gerettet wird, da er wichtig ist und das kleinere Risiko darstellte."

Ich hoffte, dass die Antwort richtig war, doch der Leiter machte vorerst ein Geheimnis draus. Wahrscheinlich waren noch andere mit etwas Ähnlichem dran und ich sollte nichts verraten können.


Alles in allem liefen für mich die Prüfungen ausgezeichnet, besser, als beim ersten und zweiten Mal. Und dann, zwei Monate, nachdem ich die Prüfung angetreten war, kam endlich eine Nachricht. Viel schneller, als sonst die Absagen. Ich rechnete fast wieder mit einer, doch dieses Mal lautete der Brief anders:

"Sehr geehrte Iliana Renor,

wir möchten ihnen aufs herzlichste zum Bestehen der dritten Aufnahmeprüfung eines schwierigen Aufnahmeprozesses der Sternenflottenakademie gratulieren. Sie haben Durchhaltevermögen gezeigt und sich als würdig bewiesen, als erste Cardassianerin in die Sternenflottenakademie aufgenommen zu werden.

Ihre letzten Prüfungsergebnisse waren grösstenteiles mit Bestnoten beurteilt worden. Ihre Kameradschaft ist ausgezeichnet und ihre Kombinationsgabe ebenfalls. Wir hoffen, dass sie sich kommendes Jahr einschreiben werden und eine ausgezeichnete Offizierin nach Abschluss der Akademie werden. Wir wünschen Ihnen auf ihrem zukünftigen Weg viel Erfolg!

Unterzeichnet der Leiter der Sternenflottenakademie..."


Bei jedem Wort wurden meine Augen grösser und grösser und ein fröhliches Grinsen, dass zu einem grossen Lachen wurde, zauberte sich über mein Gesicht. Ich hatte es endlich geschafft. Wäre ich ein Mensch gewesen, wäre ich wohl an die Decke gesprungen oder bleitzschnell kreischend zu meiner Mutter gerannt, doch das tat ich nicht.
Ich schlich in die Küche, in der sie gerade Yamoksosse in Behälter abfüllte, da wir wieder eine Lieferung fertig machten.

"Mutter.." sagte ich ernst.
"Ich werde von zu Hause wegziehen!"

Sie erschrak und verschüttete einen Teil der Sosse.

"Wa..was? Wieso?" Sie blickte mich ungläubig an, als sie den Kessel abgestellt hatte. "Wohin denn?"
"Ich werde zur Sternenflotte gehen." ich grinste wieder ganz breit und sie brauchte einen Moment, um zu begreifen, doch dann umarmte sie mich glücklich, packte mich an der Schulter und sah mich mit Tränen in den Augen an.
"Du bist angenommen worden?"
Ich nickte und sie küsste mich auf die Stirn. Dabei musste sie ein wenig auf die Zehenspitzen, denn ich hatte etwas die Grösse meines Vaters geerbt.
"Das ist wunderbar, Schatz."
Ich lächelte verlegen. "Aber ich werde dich alleine lassen müssen, denn ich werde dann dort wohnen und nur an Feiertagen zu dir kommen können, wenn überhaupt. Die Erde ist weit weg."
Sie schüttelte leicht mit dem Kopf. "Das ist egal. Du bist dabei deinen Weg zu gehen und ich bin felsenfest davon überzeugt, dass es der erste grosse Schritt ist, den du gehen wirst. "
Ich stoppte sie beim Reden, indem ich etwas beschwichtigens die Hände hob. Ansonsten hätte sie noch etwas davon erzählt, dass ich für Grosses bestimmt sei, wie sie und Vater immer geplant gehabt hatten.
"Ich muss jetzt erst einmal die Akademie schaffen. Danach plane ich weiter und schaue, wohin es mich verschlägt. Ich denke, ich sollte es klein anfangen und nicht zu sehr überhast."
Sie stimmte zu und dann half ich ihr erst einmal noch mit dem Umfüllen und Verpacken der Sosse.


Die restliche Zeit hatte ich noch einiges zu tun. Ich musste einige Papiere ausfüllen und wegschicken, dann mich für eine Unterkunft im akademieeigenen Studentenwohnheim kümmern, einiges noch über das Leben auf der Erde erfahren, sowie die Reise planen.
Im kommenden Jahr sollte ich im Frühjahr anfangen. Ich hatte also noch den Rest des Herbstes und den Winter hier zu verbringen und dann endlich konnte ich eine völlig neue Herausforderung angehen.

Ich war stolz und dachte, dass es nun nur noch besser werden könne....
Zuletzt geändert von Iliana am Fr 29. Dez 2017, 01:16, insgesamt 2-mal geändert.

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Beitragvon Iliana » Mi 27. Dez 2017, 04:15 #14 »

2388 / 752. Jahr der Card. Union Frühling

Wenn ich San Francisco mit nur drei Worten beschreiben dürfte, würde ich laut, lebhaft und kalt sagen. Als ich in dieser Stadt ankam, waren es gerade mal 15 Grad. Ich hatte mich schon darauf eingestellt gehabt, indem ich meine wärmere Kleidung von Zuhause mitgebracht hatte, doch die nicht bedeckten Stellen meines Körpers fingen sofort an zu zittern, als mich ein Lufthauch streifte. Es war sehr unangenehm. Dummerweise würden hier die Sommer auch sehr mild, also für mich kalt, ausfallen.

Cardassianer waren auch auf der Erde, dem Herzstück der Föderation, sehr selten. Bis auf Botschafter gab es hier wohl keine oder nur sehr selten, also wurde ich ab und an durchaus neugierig beäugt. Die meisten ignorierten mich allerdings. Es war gut, mal nicht gleich beim Eintreffen der Sammelpunkt für negative Energien zu sein.

Zu Beginn musste ich in der grossen Stadt nicht viel tun, ausser ein Shuttle zur Akademie zu nehmen. Dort würde sich wahrscheinlich ohnehin fast mein ganzer Aufebthalt auf der Erde abspielen, denn da war alles, was man brauchte. Die Unterkunft war auf dem Akademiegelände und mehr, so war zumindest meine Meinung, würde ich nicht benötigen. Ich hatte zu der Zeit noch nicht das grosse Bedürfnis, alles kennen zu lernen, denn ich wusste noch immer nicht ganz, was ich werden wollte. Allerdings hatte ich den Posten als Counselor durchaus in der engeren Wahl.
Als ich die Akademie erreichte, war ich doch auf Grund des Umfangs sehr überrascht und beeindruckt. Auch hatte sie einen wunderschönen Garten und ich wusste sofort, wo ich mich vor allem im Sommer aufhalten würde, wenn ich lernen musste. Ich hatte gelesen, dass der Garten ein japanischer Garten sei, ein Land, welches im Westen von San Francisco lag, irgendwo hinter einem grossen Meer. Ich hatte auch gelesen, dass früher starke Differenzen mit Amerika und diesem Japan geherrscht hatten, sogar Kriege. Allerdings hatte dies die Erde hinter sich gelassen. Hier genoss jeder ein sehr friedvolles Leben. Etwas, was ich mir nur schwer vorstellen konnte, so ganz ohne Kontrolle durch ein vollumfängliches Sicherheitsorgan. Die Menschen schätzten Meinungsfreiheit, die eigene Persönlichkeit eines jeden und waren angeblich allen unvoreingenommen gegenüber.

Letzteres kann ich leider nicht bestätigen. Auch die Menschen hegen Vorurteile, vor allem, wenn sie Dinge erlebt haben, die dazu führten. Sie leben stark in der Vergangenheit und vergessen und vergeben teilweise nur sehr langsam. Nachtragend, nennt man dies. So warfen mir in der Akademie auch durchaus ein paar Menschen, die vielleicht im Dominionkrieg Eltern verloren hatten, oder anderweitige Freunde und Familienmitglieder, einen bösen Blick zu, oder sprachen irgendwelche Flüche aus. Sie wurden allerdings nicht handgreiflich, oder aggressiv, sondern konnten sich zurückhalten. Ich schätzte das sehr an ihnen.

Anders war das aber mit anderen Völkern. Als ich die ersten Bajoraner sah und sie mich, war der Friede auch schon vorbei. Ich und sie wussten sofort, dass es irgendwann Ärger geben würden. Ich musste mich in Acht nehmen, denn sie waren definitv in der Überzahl und hatten teilweise nicht-bajoranische Freunde, die ihnen sicherlich helfen würden.
Vom Alter her gab es hier eine bunter Mischung. Manche waren jünger als ich, viel jünger. Andere waren älter, da sie die Akademie schon einige Jahre besuchten, oder auch solche Spätzünder waren, wie ich.

Ich ging als Erstes zur Begrüssungszeremonie der neuen Kadetten und trug stolz meine Kadettenuniform, die ich erhalten hatte. Den warmen Mantel hatte ich in meinem Gepäck verstaut. Um mich herum standen viele andere, die genauso froh waren, dass sie hier lernen durften. In der zweiten Reihe vor mir wurde geflüstert, während die Ansprache vorn beim Podium gehalten wurde. Man stiess sich mit dem Ellboden an, flüsterte und schaute nach hinten, zu mir. Ich konnte drei Personen sehen, die zusammen standen und Rillen auf der Nase aufwiesen. Innerlich seufzte ich, sah aber stur geradeaus Richtung Podium.
Diese drei würden noch in Zukunft ein Problem darstellen, das ahnte ich irgendwie in diesem Moment, hoffte aber auch, dass sie es vielleicht auch einfach nur akzeptieren oder ignorieren würden, dass ich da war.

Nach der sehr gelungenen Rede über uns, die die Prüfung gemeistert hatten und nun als frische Kadetten die Akademie meistern sollten und deren Zukunft durch viele Faktoren, vor allem aber unserm vorbildlichen Verhalten und unsern Willen Neues zu Lernen, bestimmt wurde, suchte ich erst einmal mein Zimmer im Wohnheim. Es war ein Einzelzimmer, was relativ selten war. Ich hatte es aber so gewünscht, um niemanden mein Dasein aufzwingen zu müssen. Die meisten hatten einen Zimmerpartner, doch nicht alle. Es gab einfach manche Völker, die bestimmte Voraussetzungen brauchten und was dann doch ein Einzelzimmer erforderte. Ich gehörte eigentlich nicht dazu, aber Samuel Hollens hatte sich dafür extra eingesetzt und ich war wirklich froh drum und ihm sehr dankbar dafür.

Das Zimmer war geheizt und zwar auf wundervolle 36 Grad. Sie hatten daran gedacht, dass ich nicht permanent in unterkühlten Räumlichkeiten leben wollte. Das war wunderbar.
Auf dem Tisch lagen einige Pads. Das oberste von ihnen beinhaltete die Schulregeln, die recht klar waren. Ich würde keine von diesen absichtlich verletzen, da war ich mir sicher. Besonders aber diese, dass Alkohol und nächtlicher Besuch des anderen Geschlechts auf dem Zimmer nicht gestattet waren, würde absolut kein Problem darstellen. Ich war die einzige Cardassianerin, hatte nicht vor, mit jemandem eines anderen Volkes irgendwas anzufangen und Kanar gab es hier sicherlich auch nicht in rauen Mengen.

Als ich alle Sachen für den kommenden Tag schon einmal vorbereitet hatte, also Stundenplan lesen, alle Pads verstauen und Uniform parat legen, wollte ich noch etwas in dem Garten herumlaufen und mir die Lage einiger Gebäude einprägen, damit ich die Vorlesungssäle und andere Einrichtungen gut finden würde.

Also zog ich mir etwas Bequemes und Warmes an und ging erneut hinaus. Ich schlenderte über die Wege zum Garten und betrachtete den Teich mit den Blumen drumherum, die Bäume, die sich kunstvoll gewunden hatten und die einen oder anderen Sandflächen, in denen grössere Steine lagen und Wellen, Kreise und andere Muster den Sand verzierten. Ich studierte diese etwas genauer und ein Mann, der Gärtner, wies mich darauf hin, dass ich nicht darauf treten durfte. Ich hielt mich deswegen zurück und dankte ihm für den Hinweis. Ich fragte ihn, was dies denn sei, ob es einen bestimmten Zweck diene oder Kunst darstelle und er erklärte mir die Kunstform der japanischen Steingärten, die vor allem Verwendung in Tempeln gefunden hatten und deren Herstellung einer tiefen Meditation glichen. Ich fand es faszinierend. Nicht den religiösen Aspekt, aber den künstlerischen, die Philosophie dahinter. Ich begann den ganzen Garten mit anderen Augen zu sehen und wie die Gärten auf Cardassia, lernte ich ihn mehr und mehr lieben. Ich muss gestehen, dass es mein Lieblingsort auf der Erde war.

Ich streifte noch etwas umher und fand Sporthallen, Studienzimmer, die Bibliothek und noch viele andere Räumlichkeiten, deren lage ich mir einprägte. Den Raum für die erste Stunde am morgigen Tag fand ich ebenfalls.

Ich kehrte zurück zu meinem Zimmer und musste feststellen, dass man mich schon ausgespäht hatte. „Verschwinde, Löffelkopf!“ stand auf einem Zettel, der an meiner Tür klebte. Ich konnte mir denken, von welcher Frohnatur das kommen könnte, wahrscheinlich einem der Bajoraner, die mich heute schon schief angeschaut hatten. Aber sicher konnte ich mir nicht sein.
Ich nah den Zettel ab und drehte ihn um. Im Zimmer schrieb ich darauf: „Danke für die Willkommensgrüsse“ und zeichnete noch ein grosses Herz daneben. Dieses klebte ich dann neben die Tür an die Wand.

Danach studierte ich noch einmal die Stundenpläne für die kommenden Wochen. Im ersten Jahr hatten wir nur Pflichtfächer, im zweiten Jahr durften wir dann anfangen noch Zusatzfächer zu wählen. Ich fand es schade, dass man jetzt noch nicht wählen durfte, aber es gab noch einige andere Aktivitäten, die man ausserhalb der Studienzeit durchführen konnte. Es gab eine Art Kunst AG, Ikebana , verschiedene Sportvereine, einen Theaterkurs und sogar einen Debattierklub. Ich musste an die Debatten meines Grossvaters denken und strich dies gleich aus meiner Wahl heraus.
Morgen würde ich die ersten Stunden haben und morgen war auch der Tag, an dem sich der Kunstkurs traf. Dort wollte ich definitiv vorbei schauen. Theater kam nicht in Frage, Ikebana kannte ich nicht, wollte mich aber darüber informieren. Ein Klub klang auch noch komisch, ein Oldtimerklub. Ich sah nach, was Oldtimer waren und war verdutzt. Das waren Fahrzeuge längst vergangener Zeit, die man wieder aufhübschte, um damit aus Nostalgiegründen zu fahren. Menschen und ihr Leben in der Vergangenheit. Ich konnte die Faszination dahinter nicht verstehen. Mich interessierten eher neue Technologien und keine alten Klapperkisten.

Meine Schulstunden am nächsten Tag waren übrigens Warptheorie, Philosophie, Kreatives Schreiben, Interspezies Protokolle und Transporter-Theorie. Also bunt gemischt.
Es sollte ziemlich zeitig losgehen und der Tag war gut gefüllt. Zwischen Philosophie und Interspezies Protokolle waren fünfzehn Minuten Pause angemerkt, Mittags zwischen Transporter Theorie und kreatives Schreiben gab es eine recht lange Pause und Warptheorie bildete das Schlusslicht. Der Kunstkurs fand dann am frühen Abend statt.

Der nächste Tag und auch die Tage danach waren ungefähr ähnlich streng gepackt. Mir machte das nichts aus, denn ich war es nie anders gewohnt gewesen. Solch lange Pausen hatte es in unserer Schule damals nicht gegeben. Fünf Minuten waren die zwischen den normalen Lektionen und dreissig fürs Mittagessen. Wir hatten auch keine fünf Lektionen am Tag, sondern sechs bis acht.
Aber hier herrschte das Schulsystem der Sternenflotte und das war etwas lockerer. Es sollten sich trotzdem einige meiner Mitschüler darüber aufregen, dass man so früh raus musste und schon so zeitig teilweise schweren Stoff vorgesetzt bekam. Ich musste da dann immer grinsen, denn die hätten keine fünf Minuten in einer cardassianischen Schule überlebt...

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Beitragvon Iliana » Do 28. Dez 2017, 02:28 #15 »

2388 / 752. Jahr der Card. Union, Frühling, 3 Tage nach Akademieantritt


Ich hatte in den letzten drei Tagen immer mal Ausschau nach Zyvi gehalten, der Andorianerin, mit der ich mich hier eigentlich hatte treffen wollen, doch ich konnte sie nicht entdecken. Sie war weder bei irgendwelchen Klubaktivitäten, noch im Garten anzutreffen während der Pausen oder in der Kantine. Ich wunderte mich sehr und irgendwie stimmte es mich traurig. Vielleicht hatte sie die erste Zeit nicht geschafft und war wieder nach Hause gereist.

Was die Klubs anging, probierte ich nun Ikebana und Malerei, beide waren ein guter Ausgleich zum sonst doch recht hektischen Alltag. Ich kombinierte beides sogar, steckte erst die Blumen kunstvoll zusammen und dann zeichnete ich sie. Es sammelten sich mit der Zeit einige schöne Bilder.

Die Bajoraner, vor allem drei von ihnen, versuchten mich immer wieder mit neuen Ideen zu überraschen. Richtig erwachsen schienen sie noch nicht und wahrscheinlich hatte ihnen noch keiner gesagt, dass Cardassianer auch zurückschlagen können. Aber ich hielt mich noch zurück, denn gleich in den ersten Tagen einen Aufstand deswegen machen, würde sicher nicht gut angenommen werden.
So lies ich sie verbal ihren Spass und auch, dass sie meine Tür immer wieder mit neuen Scherzen verzierten. Ich tat es als Kinderkram ab und es landete im Müll.

Einmal stahlen sie mir mein Datenpad mit den Stundenplänen darauf und löschten diese, da knirschte ich schon mit den Zähnen, da es mein Eigentum war, an was sie sich da heranwagten, doch als sie mir das Pad wieder zurück gaben, übertrug ich die Pläne einfach wieder aus meinem Gedächtnis.

Es lief alles ganz gut, bis an jenem Tag in der Kantine. Bisher waren die drei Halbstarken noch nicht dazu über gegangen, handgreiflich zu werden und scheinbar ermutigte ich sie zu immer mehr Höhenflüge durch meine Zurückhaltung ihnen gegenüber. Ich denke, sie sahen mich als schwach und wehrlos an. Alle drei waren eher dürr, nicht sehr gut trainiert und gehörten wohl der etwas reicheren bajoranischen Schicht an. Sie kannten scheinbar keine richtig harte Arbeit. Und sie wollten sich doch tatsächlich eines Tages mit einer Cardassianerin anlegen, die täglich trainierte und auf dem Feld hart gearbeitet hatte.

Ich sass alleine mit etwas Rührei, einem Brötchen und einem Tee, den ich neu entdeckt hatte an meinem Lieblingsplatz mit Blick auf den Garten. Der Gärtner brachte gerade an den Bäumen ein paar neue Holzblöcke an, damit ihre Zweige die Richtung ändern würden. Von hinten kamen die Drei angelaufen, ich hatte sie nicht gesehen, da ich zu sehr auf den Gärtner fokussiert gewesen war und ein paar Stücke meines Eis aufspieste und in den Mund steckte. Da landete die blanke Handfläche des grösseren Bajoraners Galesh Tert auf meinem Tisch mit einem lauten Knall. Ich erschrak und etwas vom Ei landete in meiner Luftröhre, was ich schnell wieder raus zu husten versuchte. Dope Leran und Rukos Tebon lachten, das waren seine beiden Mitstreiter. Ein paar andere, die ebenfalls in der Nähe gesessen hatten, waren ebenfalls leicht erschrocken und blickten zu uns rüber. Es war klar, dass diese Situation nun sehr angespannt war.

„Na du Löffelkopf...Wir haben dich hier lange genug geduldet.“
Von weiter hinten aus der Kantine kam ein „Yeah, zeigts dem Löffelkopf“, aber es war nur eine, leise Stimme, die sich sicher nicht weiter einmischen würde.
Ich sah Galesh Tert erst an und meinte: „Ihr seid vier unzufriedene Bajoraner. Ich denke nicht, dass ich hier für alle sprecht, oder? Ich gehe nirgendwo hin.“
„Brauchst ne Abreibung, nicht?!“ Er holte während der Worte mit der Faust aus, die auf meinem Kopf zielte, doch ich schnappte mir das Tablett, liess mich nach hinten fallen, mit samt Stuhl und rollte Rückwärts über die Stuhllehne und meine Schulter ab. Ich wollte das Tablett als eine Art Schild verwenden, benötigte es dann aber auch gleich, als sich Rukos Tebon dazu entschloss, mich ebenfalls angreifen zu wollen. Ich wich seiner Schlagattacke aus und donnerte ihm das Tablett direkt au die gerillte Nase, sodass es knackte. Scheinbar hatte ich ihm damit die Nase gebrochen, der er rollte sich plötzlich wimmernd und die Nase halten zusammen. Blut tropfte auf den Boden.

Einige Kadetten waren schockiert, einige um uns herum schlossen Wetten ab, wieder andere jubelten und feuerten die Bajoraner oder sogar mich an. Keiner von ihnen traute sich einzugreifen. Ich war in einem kleinen Kampfrausch verfallen, denn ich wollte nicht bei diesem Mob Schwäche zeigen und somit unter gehen. Ich musste das für mich entscheiden.
Wie ich es gelernt hatte, festigte ich meinem Stand, nahm meine Gegner und ihre Bewegungen genau war, erfühlte ihre feinen, elektrischen Signaturen, eine alte, genetische Eigenschaft, die unser Tropfen auf der Stirn ermöglicht und bereitete mich auf meine Verteidigung vor. Angreifen wollte ich nicht.

Dope Leran war der Nächste, der es versuchen wollte und sprang auf mich zu. Er wollte irgendeinen Sprung mit Armeinsatz versuchen, ich hüpfte zur Seite weg und hinter mir stand einer der Tische. Mit voller Wucht traf er die Tischkante mit seinem Arm auf und ging in Schmerzen unter. Tisch Eins zu Null gegen bajoranisches Ellbogen. Und auch da knackste etwas gewaltig.
Zu guter Letzt waren nur noch Galesh und ich da, die das Ganze irgendwie zum Ende bringen mussten. Galesh vertraute auf seine Faust und griff an, doch ich wich den ersten Schlägen aus, wehrte ein oder zwei ab und er wurde wütender und unkontrollierter. Die Schläge wurden härter, aber weniger präzise und ich nutzte die Chance, um ihn zu „entwaffnen“. Während eines Schlags in meine Magengegend, packte ich seine Hand, drehte mich hinter ihn und verdrehte so Arm und Handgelenk und hielt ihn hinterm Rücken fest. Er schrie vor Schmerz, denn ich hatte seine Hand stark verrenkt und womöglich hatte ich da etwas mehr, als ein paar Bänder gedehnt.

„Hört mit diesem Mist auf...“ zischte ich in sein Ohr.
„Dafür wirst du von der Schule verwiesen“ meinte er grinsend und scheinbar hatte er sogar recht damit.
„Denk nicht, dass ich mich nicht zu verteidigen weiss. Die ganze Schule hat mitbekommen, dass ihr zuerst angegriffen habt.“
„Verdammter Löffelkopf...“ zischte der Bajoraner und ich hielt den Arm noch einmal etwas fester, was er mit einem weiteren Schmerzenslaut quittierte.
„Hör zu, Galesh! Ich will hier nur in Ruhe meinen Abschluss machen und ich habe nichts gegen Bajoraner. Ich lasse so etwas, wie eben aber nicht mit mir machen. Bleibt also friedlich, dann bleibe ich das auch...“

Länger hätte der Kampf auch nicht gehen können, denn die Sicherheitskräfte der Schule kamen angelaufen und nahmen uns alle erst einmal unter Arrest. Man hatte hier also doch ein kleines Sicherheitsteam, was für Ordnung sorgen konnte. Allerdings viel zu spät.

Ich hatte dann warten müssen, bis die anderen in der Kantine fertig befragt worden waren und die drei Bajoraner zur Krankenstation gebracht worden waren. Ich hatte nur ein paar blaue Flecke am Körper von Galeshs Schlägen, wenn sie ein paar Treffer gelandet hatten. Das Anspannen der Muskeln in diesen Bereichen hatte viel gebracht.

Ich musste zum Rektor und mir wurde ein langer Vortrag darüber gehalten, dass die Völker der Föderation miteinander auskommen sollten und dass in der Sternenflotte kein Platz für Streitereien seien. Man wollte meine Ansicht dazu hören und ich stimmte ihm zu, meinte, ich habe mich nur verteidigt, doch ich war dabei wohl zu brutal vorgegangen und die Meinung der Anwesenden in der Kantine war wohl auch nicht ganz eindeutig gewesen, sodass meine Schuld nicht ausgeschlossen werden konnte. Also bekam ich eine Art Hausarrest und durfte nicht am Unterricht teil nehmen. Meine Bajoranischen Kollegen allerdings auch nicht. Das war wenigstens ausgleichende Gerechtigkeit.

Wir würden auch alle vier einen ersten Eintrag in unserer Akte erhalten. Dieser, so warnte man uns, würde weitreichende Folgen für unsere Karriere haben, vor allem, wenn da noch weitere hinzu kommen würden. Man empfahl uns allen, es nun ruhiger und zivilisierter anzugehen und ich versprachen das auch.

Den Monat verfolgte ich die Blütezeit einiger Blumen und beobachtete Bienen bei ihrer Arbeit, sowie den Gärtner. Der pflegte immer wieder den Garten, ständig hatte er etwas zu tun. Aber es war ja auch ein grosser Garten. In der Mitte der Zeit gesellten sich Enten auf den Teich und schnatterten dort dann die ganze Zeit. Ich las viel Literatur in meinem Zimmer und arbeitete den Unterrichtsstoff einfach so nach. Ich hatte die Dozenten gebeten, mir das Material zuzusenden, da ich keine Lücke im Lernstoff haben wollte. Die Suspendierung war eher dafür gedacht, alle Spassfaktoren, wie Freunde treffen, mit ihnen gemeinsam den Unterricht durchstehen und an den Freizeitaktivitäten teilnehmen, auszuschalten. Das war für mich aber zu der Zeit nicht wirklich eine Bestrafung. Ich hatte noch keine Freunde....
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Beitragvon Iliana » Di 20. Mär 2018, 02:32 #16 »

2389 / 753. Jahr der Card. Union

Eine Sportart auf der Erde kommt unseren Strategemen gleich und diese nennt sich TaiChi. Ich muss wirklich sagen, dass mich auf der Erde irgendwie diese asiatischen Dinge am meisten interessiert hatten. Das Essen schmeckte, die Sportarten waren unserem Kampftraining sehr ähnlich, das Verständnis für Strategie war in vielen derer Spiele wichtig, wie Go oder Xiangqi. Allerdings hatte ich trotzdem nicht den Drang, mich zu sehr damit zu beschäftigen oder direkt dort in die Länder zu fahren. Ich bin lieber im Garten gegeblieben und habe die Ruhe dort genossen, während der Schulalltag teilweise meine ganzen Nerven kostete.

Tatsächlich wurde es nicht besser, eher schlimmer. Man nutzte jede Kleinigkeit, um mir den Alltag nicht zu erleichtern und das sprach sich auch ein wenig rum. Allerdings versuchte ich die kleinen Sticheleien bei Seite zu schieben, frass sie in mich rein.
Das war, nun betrachtet, ein Fehler. Ich hatte absolut keine Freunde in der Sternenflottenakademie und das sollte sich bis zum Schluss nicht ändern. Deswegen kapselte ich mich dann irgendwann auch wieder ab. Ich arbeitete mit meinen Mitschülern zusammen, wenn es erforderlich war, ansonsten machte ich eben meine Aufgaben und Tests nach bestem Wissen und Gewissen. Ich versuchte einige Völker besser zu verstehen, um dahingehend vielleicht doch etwas ändern zu können, aber es gestaltete sich einfach sehr kompliziert.

Zu Parties wurde ich nicht eingeladen und Anfangs versuchte ich mich selbst einzuladen, doch man ignorierte mich einfach. Und so lies ich davon lieber ab. Wahrscheinlich hätte ich mich noch unbeliebter gemacht. Weihnachten und andere Feiertage, die ich nicht für den Heimurlaub nahm, nutzte ich fürs Lernen und zum Üben praktischer Dinge in den Holodecks. Schulisch gesehen war ich also das, was die Menschen oftmals einen Streber nannten, sozial war ich eher auf dem absteigenden Ast. Die Wut staute sich in mir auf und eines Tages entlud sie sich heftig.

Wir hatten Sport auf dem Sportplatz, ein Teamwettkampf. Für mich waren im zweiten Jahr der Akademie noch immer Wettkämpfe der sportlichen Art ein sehr sonderbares Gefüge. Wettkämpfe der Cardassianer liefen anders ab. Diese wurden meist recht brutal entschieden. Teamspiele waren dazu da, um den Teamgeist zu festigen und das andere Team zu eliminieren. Und es gab Wettkämpfe, da war jeder der Feind von jedem.
Spiele mit Fairness oder nur aus Spass gab es nicht. So etwas wie Fussball hätte auf Cardassia zur Folge, dass ein Team blutend auf dem Feld liegen würde, während das andere ein einziges Tor geschossen hätte....es würde immer 1:0 ausgehen...und die Verlierer durften sich dann monatelang im Krankenhaus zusammenflicken lassen.
Wenn ich daran denke, dann sind wir auf eine gewisse Weise Barbaren. Aber das brauchten wir immer, um eben auch keine Gnade mit unseren Feinden zu haben, um immer oben auf zu sein. Für uns war das Training fürs Leben, kein verdammtes Spiel nur des Spielens wegen.

Der Bajoraner Kala Anjar war im gegnerischen Team und hatte sich über die Zeit hinweg auch immer mehr als ein rückständiger Vollidiot etabliert. Er war einer der Sparte "Muskeln statt Hirn" und befreundet mit ein paar der typischen Mobber in meinem Semester.
Er war gut in den sportlichen Aktivitäten und verdammt mies in den Dingen, bei denen logisches Denken nötig gewesen wäre. Im Sport war das manchmal auch wichtig, nur er schaltete bei diesem Vorfall sein Hirn nicht ein.
Während wir nach einem eher eiförmigen Ball rannten und ziemlich viel Schutz trugen..ich glaube der Sport hiess American Football, belagerte er mich ständig mit irgendwelchen dummen Sprüchen, attackierte mich erst nur die ganze Zeit verbal. Doch dann machte er den Fehler, mich dann auch physisch zu attackieren. Und dabei war ich dem Ball kein Stückchen nahe gekommen. Er hatte sich einfach dazu entschlossen, seine Kraft einzusetzen, um mir, einem Cardassianer, den er einfach nicht leiden konnte, eine Lektion beizubringen.

Doch da war er falsch gestrickt. Er versuchte mich umzurennen. Ich nutzte seine Kraft, um eine Gegenkraft zu erzeugen und rammte ihm meine Fäuste in die Rippen, um zu verhindern, dass er auf mir landen würde. Ich hörte, wie die Luft aus seinen Lungen gepresst wurde und ein leises Röcheln beim Luftholen zu hören war. Ich hatte wahrscheinlich seine Lunge erwischt. Das schwächte ihn, doch er wirkte noch immer gefährlich und ich selbst war im Wutrausch. Für mich war das nun genau der Wettkampf, den ich von meiner Heimat kannte. Und er war ein Gegner, der erst besiegt war, wenn er nicht mehr kämpfen konnte. Er brüllte und griff mich mit einem Schlag an, der sogar traf. Auch ich bekam einige Blessuren in diesem Kampf ab. Doch ich hatte immer trainiert und nicht nur blosse Kraft, sondern auch Geschick und meine Strategemen und ich war, wie schon gesagt, im Blutrausch.
So richtig weiss ich gar nicht mehr, was ich alles eingesteckt und was ich ausgeteilt hatte. Man hatte mir gesagt, dass ich wie eine Wilde auf ihn eingedroschen hätte und das schreiend wie ein wildes Tier. Anfangs hatte man Angst dazwischen zu gehen, doch als er am Boden lag, zerrte man mich von ihm weg. Manche nannten mich einen Berserker.

Kala Anjar kam auf die Krankenstation mit einem Schädelbasisbruch, mehreren gebrochenen Rippen, einer punktierten Lunge und einigen inneren Blutungen. Ich hatte ihn beinahe tot geschlagen.
Nachdem man mich ärztlich versorgt hatte und ich auf meinem Zimmer warten sollte, bis man mich holen würde, lief alles wie in Zeitlupe ab... Die Zeit wollte nicht verstreichen und ich machte mir Gedanken. Ich hatte es mächtig vergeigt. Ich hatte als erste Cardassianerin auf der Akademie versagt und jedem bestätigt, dass wir doch die Monster sind, die man in uns sah. Ich war fix und fertig und rechnete schon mit meinem Leben ab. Ein Leben, welches ich fortan als Farmerin verbringen würde...auf dem wohl ödesten Planeten, den es gab. Nach Cardassia, wo ich sicherlich auch nicht mit offenen Armen empfangen werden würde, würde man mich ohnehin nicht zurückschicken wollen. Die Gefahr irgendwas weiter zu geben...war sicherlich vorhanden.

Gefühlte Stunden später sass ich beim Direktor der Akademie und hörte wie in Trance seine Worte. Es waren keine freundlichen. Er war aufgestanden und lief im Raum umher, sehr streng klingend und machte mir deutlich, dass diese Tat schlimme Konsequenzen mit sich ziehen würden.
Doch man gab mir eine weitere Chance, da einige wenigstens so fair gewesen waren und bestätigt hatten, dass er ein absolutes Arschloch gewesen war und dass er zuerst attackiert hatte. Seine Freunde hatten ihn decken wollen, doch unser Trainer und einige andere Kadetten waren anderer Meinung. Hier zeigte mir die Akademie, dass diese Föderationtaktiken doch manchmal auf gingen. Fairness und dergleichen.
Die harten Konsequenzen waren wirklich hart für mich und doch waren sie zugleich ein gutes Training in Aggressionsbewältigung. Ich wurde ein halbes Jahr vom Unterricht suspendiert und musste Sozialstunden leisten. Diese leistete ich beim Gärtner ab.
Für viele war dies niedere Arbeit und ich war der Spielball für alle, die sich über mich lustig machen wollten. Aber ich biss die Zähne zusammen und reagierte meine Wut so ab, dass ich die Kraft in die Arbeit steckte. Ich stellte mir meine Peiniger als Unkraut vor, welches ich wehement vernichtete. Ich warf den Gartenabfall weg und damit auch die schlimmen Worte, die man an dem Tag mir zugerufen hatte. Der Gärtner entwickelte sich in der Zeit beinahe zu einem Freund.

Die Kluft zwischen mir und den anderen Kadetten war allerdings grösser geworden. Ich hatte diese Zeit der Suspendierung gehasst. Im Nachhinein betrachtet war es allerdings eine wirkliche Chance....denn sie veränderte mich ein wenig. Danach kamen keine Vorfälle mehr vor, in denen ich mich mit Kadetten prügelte. Ich ging ihnen aus dem Weg und sie grösstenteils mir. Zudem machte ich mir über meine Zukunft gedanken. Was wollte ich werden, was wollte ich erreichen? Was wäre herausfordernd....

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Lieutenant Iliana
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